…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Nicht lustig.

with 11 comments

Nun. Ich bin mir gerade so unsicher, ob es klug ist jetzt darüber zu schreiben. Weil es eine Momentaufnahme ist. Irgendwelche frischen Gedanken, die ich noch nicht ganz in meinem Kopf sortiert habe.
Durch eine kleine Diskussion auf Twitter, denke ich gerade darüber nach, ab wann ein Witz keiner mehr ist. Und ob es Dinge gibt, die man ausschließlich in privaten Kreise, wo Menschen den Kontext sehen, oder auf großen Bühnen als Satiriker bringen sollte.

Jeder Mensch findet andere Sachen lustig. In jedem Menschen verstecken sich unterschiedliche Gefühle-Cocktails und Erfahrungen. Also setzt sich letztlich auch Jeder selbst seinen Rahmen, über was er sich amüsiert und was für ihn grenzwertig oder total daneben ist. Werfen wir alles zusammen, entsteht daraus eine Gesellschaft und ein natürlicher Konsens.
Ich kann zum Beispiel nicht über Rassismus lachen. Da wird mir schlecht. Auch körperlich. Und ebenso finde ich Witze über Vergewaltigungen alles andere als lustig.
Heute habe ich bei Twitter folgendes geschrieben: „Der @Celilander hat mir gerade versehentlich die Nase blutig gehauen. Mit dem Rücken! #HappyFriday“ Darauf nahm ich nochmals Bezug und fügte an: „Äh… ich meinte… äh.. ich bin die Treppe runtergefallen!“
Das war ein Witz über häusliche Gewalt. Punkt. Mir wurde erst, nachdem ich bereits auf „Abschicken“ klickte, klar, dass ich das vielleicht lieber nicht hätte öffentlich schreiben sollen. Denn ich wollte selbstverständlich Niemanden damit verletzen oder häusliche Gewalt in irgendeiner Weise verharmlosen. Mir ist der Sachverhalt ganz bewusst und ich habe diesbezüglich leider selbst schon einiges in der Vergangenheit erlebt. Das legitimiert natürlich nicht die Tatsache, dass ich es in der Öffentlichkeit geschrieben habe. Da wo es Jeder lesen kann und ich keine Kontrolle darüber habe. Ich weiss schließlich nicht ob darunter Menschen sind, die diese Art von schwarzem Humor teilen oder wissen, wie ich das gemeint habe. Menschen die den Kontext nicht sehen können, weil sie mich nicht kennen.

Mir hilft es manchmal über Missstände zu lachen, gegenüber denen ich mich ansonsten sehr machtlos fühle.

Unter Freunden mache ich beispielsweise auch hin und wieder Witze über Massentierhaltung und Tierausbeutung. Nicht, weil ich es tatsächlich lustig finde. Ich lebe aus ethischen Gründen vegan. Aber es hilft mir, so manches zu ertragen.

Ich denke weiter darüber nach. Lasst mir gerne eure Meinung da, wenn ihr möchtet.

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Written by Erbse

21. März 2014 um 19:06

Veröffentlicht in Ohne Kategorie

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11 Antworten

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  1. Hmm..Ganz ehrlich… Ich habe deine Posts auch gelesen und trotzdem dass häusliche Gewalt mir nicht fremd ist, ist es nicht so rübergekommen dass du das Thema ins Lächerliche gezogen hast etc. Ich finde es dann schlimm wenn Leute es mit Absicht machen oder persönlich werden. Das hast du ja nicht. Und JEDER sagt oder schreibt mal Sachen, die man genau in dem Moment wo sie raus sind gerne rückgängig gemacht hätte weil man nicht nachgedacht hat.
    Lg Tanja

    laolala82

    21. März 2014 at 19:40

  2. Ich denke, dass es viele mit der Verteufelung solcher Witze zu weit treiben.
    Sie müssen immer im Kontext gesehen werden – in deinem Fall ganz besonders, da es sich hier um aufeinander folgende Tweets handelt, die einen klaren Kontext schaffen.
    Um einen Witz wirklich als verharmlosend einstufen zu können, muss er einen spöttischen Tenor besitzen – zumindest soweit meine Auffassung… Bei Texten kann sowas natürlich auch schnell fehl gedeutet werden. Ist das der Fall gibt es aber immer noch die eigene Verantwortung sich zu informieren, ob der Eindruck, den man bekommen hat sich bestätigt. Und wenn man da genauer Hinsieht sollte man von alleine darauf kommen, dass du mit deinem Witz nichts verharmlosen oder herunter spielen wolltest.
    Der Witz besteht ja in der Absurdität des Geschriebenen und nicht in der Absurdität von häuslicher Gewalt.
    Einige Menschen fühlen sich oft einfach viel zu oft viel zu schnell auf den nicht vorhandenen Schlips getreten und echauffieren sich oft auch zu gern im Namen derer, die sie nicht vertreten.

    Ёцe (@jozze_w)

    21. März 2014 at 19:51

  3. Lustig ist es solange, wie man dich und deinen Freund kennt, euch einschätzen kann und Vertrauen darauf setzten darf, dass bei euch sowas nicht passiert. Das ist wichtig. Dann kann sowas durchaus mal witzig sein. Ist das nicht der Fall, wird es kritisch.
    Aber an sich, haben mein freund und ich auch rumgealbert – da passiert halt mal was. Und wenns ein blauer Fleck ist, weil man beim Kitzeln aus dem Bett fällt. Gibt einfach eine dünne Schwelle in diesem Humor-Bereich.
    Wobei ich diese Tweets ja schon lustig fand ;)

    Heikikip

    21. März 2014 at 20:21

  4. Toller Text! Ich wünsche mir mehr Menschen, die so reflektierend sind wie du!

    Cthulhu

    21. März 2014 at 22:08

  5. Cthulhu nimmt mir die Worte aus dem Mund. Ich finde es schön zu lesen, wie du über das Thema nachdenkst, auch wenn ich selbst unschlüssig bin, was meine Meinung darüber ist. Ich kenne es, wenn man Witze über absolut nicht lustige Themen macht, um sich selbst besser mit der Tatsache abfinden zu können.
    In meinen Augen war der Kommentar auf Twitter kein schlimmer, aber man kann nie ausschließen, dass man mit dem, was man macht oder sagt, jemanden triggert.

    Liebe Grüße,
    Blickwinkel

    Blickwinkel

    22. März 2014 at 20:51

  6. Und über was darfst du noch Witze machen wenn du auf die Befindlichkeiten von jedem potentiellen Leser Rücksicht nimmst? Solange der humoristische Ansatz klar zu erkennen ist – und da dein erster Post nicht gelöscht wurde sollte er das für jeden halbwegs normalen Menschen sein – sehe ich kein Problem. Wer von solchen Dingen schon so massiv getriggert wird sollte ernsthaft darüber nachdenken das Internet gegen eine stationäre Behandlung zu tauschen (und nein, das ist kein schlechter Scherz über psychische Erkrankungen).

    Thomas

    22. März 2014 at 22:32

  7. Ich musste über deinen Kommentar schmunzeln, weil es einfach so offensichtilich ist – hallo, mit dem Rücken? Und dann noch der Spruch mit der Treppe?
    Ok, ich denke ich habe nicht das Recht über die Leute zu urteilen, die ihren Senf dazugegeben haben oder über das, was sie geschrieben haben (schon allein weil ich nicht weiß, was es war).
    Ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen schreiben, weil ich selbst eine etwas eigene Art von Humor habe und oft missverstanden werde.
    Das war natürlich nicht immer so; ich denke, das kam erst so richtig mit meinem Freund, sein Verhalten und Humor haben sehr auf mich abgefärbt. Ich mache mich ständig über mich selbst lustig (und wenn ich mir so Gedanken mache, gibts da ne Menge!), manchmal auch über andere, aber das müssen schon Menschen sein, die ich gut kenne und dann übertreibe ich es auch nicht. Das Leben ist so ernst, warum sollte man nicht mal über etwas lachen, das man sowieso nicht ändern kann? Obwohl es bei mir natürlich Themen gibt, die gar nicht gehen.
    Da gibt es dann die üblichen Reaktionen:
    Die, die es verstanden haben (oder auch nicht) und darüber lachen (oder auch nicht)
    Die, obwohl der Witz ganz offensichtlich über mich selbst war, die alles auf sich beziehen, gleich beleidigend werden und unter die Gürtellinie gehen
    Oder die, die gleich mit erhobenem Zeigefinger kommen, was denke ich meistens eher eine Masche ist, um sich zu profilieren und sich vor anderen als moralisch besser darstellen zu können.
    Über die letzten beiden Arten von Leute rege ich mich natürlich auf, aber ich versuche trotzdem locker zu bleiben, weil ich weiß, dass sie sich mit ihrem Verhalten selbst diskreditieren und früher oder später ganz gewaltig auf die Nase fallen werden.
    Aber ich denke auch, besonders als Veganer wird man oft als die Spaßbremse und als viel zu ernst gesehen. Wenn man mal über etwas lachen kann (vor allem über sich selbst), wirkt man doch gleich gegenüber Leuten, die noch tierische Produkte essen viel lockerer, sympatischer und vielleicht sogar überzeugender?
    Es passt vielleicht nicht 100%ig, aber letzte Nacht, bevor ich deinen Eintrag hier gelesen hatte, hatte ich zufällig den Text hier von Akif Pirincci gelesen:
    http://journalistenwatch.com/cms/2014/01/08/akif-pirincci-bekennt-sich-zu-seiner-heterosexualitaet/
    In seinem Nachtrag sagt er ganz gut:
    „Wie kommt ihr darauf? Oder besser gesagt, was wollt ihr? Daß ich hier brav den politkorrekten Müll von mir gebe, dessen größte Sünde gar nicht mal sein autoritärer Charakter ist, sondern seine Stinkelangweiligkeit und Vorhersehbarkeit? Zudem kann man zu diesem Thema durchaus eine andere Meinung haben als die vom vergrünisierten Mainstream vorgegebene, ohne es zu verdammen, ob ihr es glaubt oder nicht.“
    Aber bevor es für manche vielleicht so rüberkommen könnte: nein, ich bin auch keine Homosexuellenhasserin. Das wäre bei meinem Bekanntenkreis auch ein bisschen schwierig. :)

    vegalison

    23. März 2014 at 12:31

  8. Ok, wo ich die restlichen Kommentare gelesen habe, fällt mir auf, dass ich gar nicht darauf gekommen bin, dass manche von so einem Witz sogar „getriggert“ werden könnten. Aber da muss ich mich Thomas schon anschließen, man kann nie Rücksicht auf alle nehmen, schon allein nicht auf Leute, die man kaum oder gar nicht kennt. Wenn man etwas liest oder sieht, was ungute Gefühle und Erinnerungen in einem weckt, sollte man finde ich wegschauen und versuchen sich abzulenken. Oder sich am besten fragen, warum man sich jetzt so fühlt und schauen, wie man daran arbeiten kann. Das wirkliche Leben bringt ja auch keine Warnungen mit sich, man kann ständig auf Sachen stoßen, die einen runterziehen, sei es zum Beispiel wenn man den Fernseher einschaltet oder eine Konversation im Bus mitkriegt. Mit irgendwelchen Diskussionen anzufangen, die die andere Person dann ebenfalls runterziehen (und am besten auch eben eine Person, die selbst in der Vergangenheit oder sogar noch heute damit zu kämpfen hat), bringen da finde ich gar nichts.

    vegalison

    23. März 2014 at 13:00

  9. Was ich im Grunde dazu denke, hab ich auch bei Twitter schon geschrieben. Bei jemandem, der (wie eine weitere dort am Gespräch beteiligte Person) die Frage stellt, wer denn um Himmels Willen so drauf ist, daß er über Krieg Witze macht, muß ich mich im Ernst fragen, ob derjenige eigentlich ohne Radio und Fernseher lebt, denn allein schon im politischen Kabarett werden ja Witze über ALLES gemacht – eben gerade nicht um zu verharmlosen, sondern um anzuprangern! Lustig und optimalerweise geistreich ist das aber dennoch.

    Ich verstehe es, wenn jemand den konkreten Scherz, den Du gemacht hast, nicht lustig findet. Ich glaube auch nicht unbedingt, daß das davon abhängig ist, ob man von häuslicher bzw. sexueller Gewalt selber schon betroffen war, oder nicht, denn wie gesagt habe ich auch schon so etwas erlebt, und finde es dennoch lustig… Aber ich denke mir halt, so wenig wie man versuchen sollte jemandem vorzuschreiben, daß und was er lustig finden sollte, so wenig sollte man Leuten auch vorschreiben wollen, was sie bitte nicht lustig finden sollten, weil das doch vermeintlich eindeutig zu weit ginge… Die Menschen sind eben unterschiedlich, und gehen mit dem Leben, mit den schönen und den tragischen Seiten des Lebens, mit dem vordergründig aber eben auch mit dem hintergründig Lustigen ganz und gar unterschiedlich um.

    Für mich selber kann ich sagen, daß ich was Humor betrifft ziemlich schwarz und eigentlich komplett tabulos bin. Leider oder Gott sei Dank – wie mans nimmt. Ich kann keinen Komplex ausnehmen, ich mache über Alles und Jeden Witze. Mich selber und meine eigenen wunden Punkte eingeschlossen. Aber ich selber kenne ja meine Einstellungen und Haltungen, und kann daher ehrlich und definitiv sagen, daß das bei mir nicht das Mindeste mit Respektlosigkeit, Geringschätzung oder Verharmlosung zu tun hat! Klar kann es im Einzelfall sein, daß auch mir mal das Lachen im Halse stecken bleibt, das kommt dann aber ganz individuell drauf an. Auf den konkreten Scherz und auf meine jeweilige Verfassung. Ich würde dann aber auch denjenigen nicht attackieren, der ihn gemacht hat. Humor, auch und gerade schwarzer, „unkorrekter“, ist meine Art mit dem Schlechten oder auch nur Kuriosen in der Welt fertig zu werden, und dabei dennoch persönlich ein glücklicher und fröhlicher Mensch zu bleiben. Er ist auch das, was ich an einem Mann ggf. am anziehendsten finde, eben weil er für mich so essentiell ist.

    Natürlich würde ich nicht jeden Scherz, den ich selber mache oder selber lustig finde dort wiederholen, wo er einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, wie etwa auf Twitter. Allein schon um keinen Shitstorm zu ernten, aber natürlich auch um niemanden zu verletzen. Schließlich kennen die Leute dort mich nicht, und ich kenne sie nicht, und schriftlich lassen sich die oftmals ausschlaggebenden Tonlagen und Betonungen nunmal nur sehr begrenzt transportieren. Aber ich persönlich fand das, was Du gesagt hast völlig im Rahmen, allenfalls minimal anstößig. Und ich mein, eine Pointe ist schließlich und endlich nur deshalb eine Pointe, WEIL sie an irgendeinem Punkt mindestens minimal anstößig ist; sonst wäre es kein Witz, sondern bloß eine Erzählung. Und überhaupt – wo sind wir denn eigentlich, wenn zwischen bissl anstößig und echtem Anecken strukturell nicht mehr unterschieden, sondern einfach alles nicht ganz Stromlinienförmige mehr oder weniger automatisch in die Schublade „Anecken“ gesteckt wird…

    Paphiopedilum

    23. März 2014 at 15:23

  10. Ach wie oft habe ich Dinge gesagt und geschrieben, die besser in meinem Kopf und auf privat hätten bleiben sollen :D
    Du bist auch nur ein Mensch, Erbse, und Menschen machen „Fehler“. Hätte ich das nicht gelesen, was für Gedanken du dir im Nachhinein darüber machst, ich hätte als den Joke aufgefasst, wie er ursprünglich geplant war…

    Mina PowMeow

    31. März 2014 at 02:21

  11. Den Tweet habe ich durch Zufall sogar gelesen, aber ich habe mir tatsächlich nichts dabei gedacht. Ich persönlich lache über viele Dinge, denn ich weiß, dass das nicht ernst ist und ich finde, man muss auch nicht alles immer so ernst nehmen. Auch wenn es um Missstände geht, ich hab da Humor, weil wie du schon sagtest, das jeder anders empfindet. Wenn ich in der Mittagspause im Tierheim sitze, machen wir viele recht makabere Witze über Tiere, dennoch weiß ich, dass das niemand ernst meint und auch keiner irgendwas tierquälerisches tun würde. Im Netz muss man dann leider tatsächlich aufpassen, da es wirklich viele gibt, die das nicht witzig finden. Andersrum denke ich aber auch, dass diese Leute auch mal über sich nachdenken sollten, was sie denn so an Witzen machen, was anderen nicht gefallen würde. Alles ist immer so eine zweischneidige Sache.

    Celina

    26. Mai 2014 at 15:56


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