…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Am Meer. Vegan. Creep Edition.

with 7 comments

Henrik und ich haben letzte Woche unseren ersten gemeinsamen Urlaub verbracht. Es ist ein schönes Gefühl nach acht Jahren Partnerschaft immer noch erste Male erleben zu dürfen.
Unsere Reise führte uns ans Meer. An die Ostsee.
Bilder gibt es weiter unten.

A N G S T .
Schon lange vor der Reise machte ich mir Gedanken wie ich so viele Tage am Stück in fremder Umgebung aushalten würde. Meine Angsterkrankung bescherte mir dieses typische Gefühl von Angst vor der Angst. Aber ich will es kurz fassen… ich bin überrascht wie stark ich mittlerweile geworden bin und was ich wider erwarten dann doch meistere, wenn auch nicht mit Leichtigkeit. Angst und Unwohlsein gab es auch an der Ostsee. Aber ich habe jeden Tag durchgehalten, habe mich jeden Tag glücklich gefühlt und habe jeden Tag viel Neues und Schönes erlebt. Es hat mir gut getan mal aus dem Alltag auszubrechen und meine sichere Wohnung zu verlassen.

V E G A N .
Uff. Ich bin so froh darüber, dass wir uns eine Ferienwohnung mit Kochnische mieteten. Denn letztendlich blieb uns nichts anderes übrig als fast täglich selbst zu kochen. Das kulinarische Angebot in den Restaurants in weiter Umgebung, beschränkte sich auf Fisch, Fleisch und nochmal Fisch. Man konnte schon von Glück reden, wenn man überhaupt etwas Vegetarisches auf der Karte fand. Wenn wir also dann doch mal außer Haus aßen, dann gab es für mich Pommes oder die typische Ofenkartoffel mit Salat.
Es war für mich eine interessante Erfahrung außerhalb meiner kleinen Stadtblase zu essen. Hier in Kassel gibt es zwar vergleichsweise auch nicht ein so riesiges veganes Angebot wie in anderen Großstädten, aber beschweren kann und will ich mich nach meiner Ostsee-Erfahrung nicht.
Glücklicherweise gibt es auch an der Ostsee in fast jedem größeren Ort die üblichen Supermarkt-Ketten wie Netto oder Edeka. Dort war es kein Problem Tofu, Sojamilch und Co zu bekommen. In Restaurants hilft nur nachfragen und nochmals nachfragen. Ein erst „abgeneigtes“ Restaurant in Plön zum Beispiel, konnte mir dann doch ein bisschen Gemüse in Tomatensoße und Öl anbraten. Das ist zwar kein Highlight, aber immer noch besser als nichts. Denn ansonsten hätte ich meinen Freunden beim Essen zuschauen müssen. Hunger macht mich wirklich grumpy. Niemand mag grumpy Erbsen.
Auf der Insel Fehmarn fanden wir dann endlich auch einen kleinen Bioladen, der uns plötzlich wie ein Paradies vorkam. Falls ihr auch mal auf Fehmarn seid, findet ihr den TOPI Naturkostladen in der Osterstraße 11 in Burg. Auf Fehmarn und auch in Heiligenhafen gibt es zudem zwei NABU Stationen mit Naturschutzgebiet für Wildvögel. Die in Heiligenhafen ist kleiner und ohne Café, dafür aber meiner Meinung nach schöner. Als wir auf Fehmarn herumirrten (ui… für einen Menschen aus Nordhessen wo überall Berge sind, ist das Inselleben echt strange) waren wir zuerst total froh das NABU-Quartier zu entdecken. Denn wir hatten HUNGER! Ich dachte mir… wenn es auf dieser Insel irgendwo etwas veganes zu futtern gibt, dann doch beim NABU. Ich klammerte mich an meinen Funken Hoffnung, aber es gab Steak. ;D Ein Früchtetee sollte meinen Bauch füllen.
Nach unserem Besuch in Plön und dem Treffen mit Tony und „der Frau“, war Henrik wie wild darauf in den nahegelegenen Eselpark zu fahren. Ich wollte da eigentlich nicht hin, da ich als kleines Kind schon mal dort war und mich noch gut an die Umstände im Park erinnern konnte. Besonders jetzt als Erwachsene und Veganerin habe ich im Nachhinein einen ganz anderen Blick auf die ganze Situation bekommen. Aber ich ließ mich von Henrik breit schlagen und fuhr unbegeistert mit. Die Stallungen im Park haben sich zwar ein wenig verändert, aber meine Kritikpunkte haben sich nur noch verschärft. Ein großer Teil der Esel steht den ganzen Tag gesattelt oder an der Kutsche herum und wartet auf Kinder die fahren oder reiten wollen. Diese Zeit über, haben die Esel nicht die Möglichkeit allen ihrer natürlichen Bedürfnisse nachzukommen. Der Hof finanziert sich über Urlauber und die Zucht von verschiedenen Eselrassen. Dabei verkaufen sie Esel auch in Einzelhaltung oder in Haltung mit Schafen. Lustigerweise haben wir ausgerechnet im Bistro des Parks eine vegane Mahlzeit und mehrere vegetarische gefunden. Negatives Highlight war aber die Gründerin des Parks, die sich in einem Gespräch mit uns leider sehr unglücklich ausdrückte. Zuerst war die Dame uns sehr sympathisch und wir quatschten gerne mit ihr, doch dann verriet sie, dass sie „wie auch ihren Kindern“ den Eseln schon mal eine gibt, wenn sie nicht auf sie hören. Ich mag jetzt natürlich nicht beurteilen, was genau „eine geben“ im Grad der Schwere bedeutet, aber nach diesem Satz verkrümelten wir uns ziemlich schnell. Mir war dieser Besuch in jedem Fall eine Lehre. Nochmal lasse ich mich nicht zu sowas hinreissen. Wer unbedingt mal Esel von Nahem sehen möchte, hat vielleicht die Möglichkeit diese auf einem Gnaden-/Lebenshof zu besuchen.
Auf der Heimreise fuhren wir über Lübeck und verweilten dort zum Essen. Gefunden haben wir die Essbar in der Königsstraße 98 – 102. Was für ein tolles Gefühl endlich wieder eine leckere und gesunde Mahlzeit futtern zu können. :D Aber leider haben wir uns in der Essbar gar nicht wohl gefühlt. Dafür kann der Laden allerdings nichts. Es ist dort sehr eng und klein, sodass wir uns an einen großen Tisch mit etwa acht Plätzen setzen mussten. Neben uns saßen noch zwei junge Frauen und eine ältere Dame. Bevor die zwei jungen Frauen in die Essbar kamen, war es so still wie im Arztwartezimmer, was mir zusammen mit der Enge echt Probleme bereitete. Zum ersten Mal seit Reiseantritt, kam in mir wieder dieses starke Gefühl von Angst und Panik hoch. Als die beiden Frauen sich setzten, unterhielten sie sich in normaler Lautstärke, was mich etwas aufatmen ließ. Doch die ältere Dame beschwerte sich daraufhin sehr unhöflich bei den Beiden. Sie würde sich gestört fühlen und sie sollen doch bitte leise sein. Beide waren so perplex, dass sie sich gar nichts mehr zu sagen trauten und sich wegsetzten. Ich war so eingeschüchtert, dass wir in Rekordgeschwindigkeit das trotzdem sehr köstliche Essen verputzten und schnell abhauten.
Damit wir die vielen Stunden Autofahrt nicht auf einmal stämmen mussten, übernachteten wir einen Tag bei Markus und Lisa in Braunschweig. Ich war hundemüde und schlief schnell ein, aber es war so schön die Beiden wiederzusehen. Den Tag darauf aßen wir im Riptide im Handelsweg 11 in Braunschweig. So eine wundervolle Gasse, so ein nettes Café und so verdammt leckeres Essen. :D Vegane Burger und mein Highlight: Hot Cherry. Kakao aus Zartbitterschokolade mit Kirschsirup. Ich bestehe ab sofort bei jedem Braunschweig-Besuch auf das Riptide.

W A S  I C H  M O C H T E .
Die Natur. Die vielen vielen verschiedenen Wildvögel. Den Strand mit all dem tollen Zeug das da rumliegt. Meine Augen klebten ständig am Boden. Hübsche Steine, Muscheln, Knochen, Pflanzen, Quallen und Krebse. Ich habe mal wieder festgestellt wie schön ich Knochen finde. Das ist vielleicht eine etwas ungewöhnliche Vorliebe, aber besonders an den Stränden, wo viele Möwen rumlungern und ihre Krebse futtern, hielt ich mich gerne auf. Krusten, Knochen… irgendwie faszinierend.
Möwen sind die Waschbären des Nordens. Oder so.
Die Zeit mit Henrik. <3
Henrik streichelte das erste Mal in seinem Leben einen Esel. Und ich fand zusammen mit Tony (tonyarmy.de) den wahrscheinlich größten Apfel der Welt. Wir trafen Freunde, die wir viel zu selten sehen. Und auf der Heimreise hielten wir in Braunschweig um auch dort Freunde zu treffen. In einem urigen Comic-Laden, hatte ich das Glück einen original verpackten „Meister“ aus der ersten Buffy-Staffel geschenkt zu bekommen. Und wir leisteten uns die DSA-Box rund um die Hauptstadt Gareth.
Meine Familie kümmerte sich in unserer Abwesenheit liebevoll um unsere Katzen und Ratten. Ich bin dafür so dankbar! Denn die habe ich am allermeisten vermisst.

W A S  I C H  N I C H T  M O C H T E .
Rassistische Äußerungen von anderen Touristen bezüglich der wenigen POC in unserem Urlaubsort. Außerdem das Anstarren, weil man nicht so aussieht, wie der typische Ostsee-Urlauber. Die Knieverletzung die ich mir zuzog. Den Rest der nicht so optimal war, kann ich getrost ignorieren, denn insgesamt war die Reise einfach wundervoll.

C R E E P Y  F O T O – E D I T I O N .
Eigentlich wollte ich ein paar schöne bunte Urlaubsbilder zum Artikel hinzufügen, aber irgendwie will ich die nicht herzeigen. Ich muss das ja zum Glück nicht erklären. Und deswegen zeige ich euch jetzt einfach mal das Gegenteil von dem wie ich die Ostsee eigentlich erlebt habe. :D Als wir ankamen und uns ein bisschen orientierten, fühlten wir uns sofort an Lovecraft und seine Schauergeschichten erinnert. Manche Orte schrien nur so nach Innsmouth und wir fühlten uns nicht selten als „Stranger“ und „Outsider“. <3 Und überall diese Tentakel die nachts aus dem Meer ragten! :O

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Written by Erbse

23. September 2013 um 12:49

7 Antworten

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  1. Tolle Impressionen und Bilder!
    Da fällt mir ein, dass ich eigentlich auch mal wieder eine steife Brise vertragen könnte.
    Bin eindeutig für mehr Meer sehn,
    ich schmachte!
    ,)

    mexicolita

    23. September 2013 at 14:03

  2. Schön zu hören, daß der Urlaub unterm Strich eine positive Erfahrung war, ich freue mich für Dich! Besonders daß die Glücks- bzw. eben die ganz üblichen Urlaubsgefühle diejenigen von Angst offenbar so stark überwogen haben! Mit Henrik hattest Du aber natürlich auch fernab aller Deiner Konstanten DIE wichtigste Konstante mit dabei. Das war – abgesehen davon, daß es schön war – sicher auch insofern essentiell.

    Seit ich Deinen Blog lese denke ich ganz oft über vegane Ernährung nach. Nicht eigentlich über vegetarische, denn die ist ja weitgehend unproblematisch, und sehr oft esse ich ja selber vegetarisch. Aber mir ist durch Dich eigentlich erst so richtig bewußt geworden, daß „vegan“ nicht „einfach nur“ bedeutet, alles Tierische wegzulassen, sondern daß genau das durchaus recht schwierig ist, wenn man es so gar nicht gewohnt ist. Von den Aspekten, die mit der Ernährung an sich gar nix zu tun haben mal noch ganz zu schweigen… Ich glaube zwar nicht, daß das mein Weg sein könnte, aber ich finde es doch sehr inspirierend und bewundernswert. In vielerlei Hinsicht. Und da ich auch an genau diesen Restaurantaspekt dachte, den Du hier schilderst, hab ich mich in letzter Zeit mehrmals mit dem Wirt und Koch unseres Lieblingsrestaurants darüber unterhalten. Ein etwas gehobenes, aber doch traditionelles, bayerisches Gasthaus. Der Koch liebt Fleisch total, da wirklich begeistert von seiner Arbeit ist, sagte er mir aber schon vor einiger Zeit mal, daß er eigentlich auch gerne vegan und vegetarisch kocht; weil das für ihn die größere, kreative Herausforderung ist, (wörtlich) „wenn man nicht nur Ofenkartoffeln anbieten will“. Er sagte, insgeheim freue er sich immer, wenn jemand bei ihm nach einem veganen oder vegetarischen Essen fragt. Auf der Karte hatte er Dergleichen allerdings nicht. Weil es ihm als „gestandenes, bayerisches Wirtshaus“ irgendwie peinlich sei. Nach einigen intensiven, langen und auch lustigen Gesprächen konnte ich ihn nun dazu bringen, daß er doch standardmäßig zwei vegetarische Gerichte mit auf seine Speisekarte nimmt, und außerdem mit drauf schreibt, daß er auf Nachfrage auch gerne, vielfältige, vegane Speisen zubereitet. Fand ich erfreulich… Diese kleine Anekdote wollte ich Dir schon seit einer Weile mal erzählen…

    In jeder Hinsicht nun also willkommen zurück, und schön, daß Du dank Twitter nicht ganz weg warst :-)

    Paphiopedilum

    23. September 2013 at 14:06

  3. Aaaah, das Riptide! Und der Comic-Laden! Wie ich sie vermisse… War in den Osterferien bei meinem älteren Bruder, der in Braunschweig studiert, und hab mich gleich in die Stadt und vor allem die beiden Läden verliebt! <3

    Kari

    23. September 2013 at 17:16

  4. […] ich so im Urlaub erlebt habe, könnt ihr in meinem Tagebuch-Blog lesen, wenn ihr möchtet: “In meiner Wärmflasche schlafen Sterne…” Meine Lippen waren ständig trocken und so war ich ganz froh, dass ich vorsorglich einiges […]

  5. Freut mich zu hören, dass Du dabei bist deine „Angst“ in den Griff zu bekommen. Ansgt vor dem Unbekannten verspürt wahrscheinlich jeder, doch genau dies kann auch der Reiz an so einer Reise oder anderweitigen Aktivität sein, die man zum Ersten mal macht.
    Versuch Dir daher genau diesen Reiz zu Nutzen zu machen und dann wirst Du noch viele weitere schöne und aufregende Urlaube verbringen ;)!

    Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder ;)!

    VLG,
    Dominique

    Dominique

    22. Oktober 2013 at 10:20

  6. Ich war dieses Jahr auch auf Fehmarn und hab mich auch wie sonstwas über den TOPI-Laden gefreut :D Schade, dass wir uns nicht über den Weg gelaufen sind…das hätte mich riesig gefreut als treuer Erbsenanhänger!

    Liebe Grüße ♥
    Kate.

    Kate.

    6. November 2013 at 09:59

  7. Liebe Erbse,
    wenn du mal wieder in Braunschweig bist, solltest du unbedingt das Micky und Molly besuchen. Das ist ein veganes Cafe und Katzenmuseum, ich denke, das wäre etwas für dich. Es ist zwar klein, aber man fühlt sich nicht beengt und im Sommer kann man auch draußen sitzen. Und das wichtigste: Es ist absolut KÖSTLICH! :)

    yummy yummy yeah

    10. März 2014 at 21:01


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