…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Street Harassment und Soziale Phobie

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angstIn den letzten Wochen kommt in meiner Twitter-Timeline, auf Blogs die ich verfolge und auch im Freundeskreis immer mal wieder das Thema „Feminismus“ auf den Tisch. Ich habe mich bislang mit meiner Einstellung diesbezüglich ziemlich zurückgehalten, weil mir die Thematik für mich derzeit einfach zu emotional erscheint. Ein Aspekt der regelmäßig angesprochen wurde ist „Street Harassment“. Street Harassment ist der allgemeine Begriff für verbale oder physische Übergriffe im Alltag. Laut Definition kann das schon ein Nachpeifen eines Fremden auf der Straße sein. Es fällt aber auch Gewalt darunter.

Es gibt Menschen die sich solchen Übergriffen nicht ausgesetzt fühlen oder denen soetwas vielleicht auch gar nicht erst passiert. Die Grenze ab wann einen Menschen etwas zu weit geht, ab wann man sich belästigt fühlt, ist natürlich ganz individuell. Genauso ist es auch meine Grenze, auf die ich jetzt näher eingehen möchte.

Für mich ist das Hinterherpfeifen eines Fremden kein Kompliment. Das aufdringliche Hinterherrufen ebenfalls nicht. Ich fühle mich ja sogar schon durch eine ganz normale freundliche Ansprache verunsichert, auch wenn ich diese natürlich nicht zu Street Harassment zähle.
Tatsächlich werde ich sehr häufig auf der Straße von Fremden auf vulgäre Art angesprochen. Ich werde häufig belästigt. Und ich habe eine Vorgeschichte.
Diese Tatsachen und meine phobische Erkrankung machen für mich solche Kleinigkeiten wie ein bloßes Hinterherpfeifen auf der Straße zu einer extrem emotionalen Belastung. Was für ein Motiv derjenige oder diejenige hatte, ist in diesem Moment völlig egal.
Ich hadere noch tagelang und bleibe einfach auf dieser Situation hängen die sich mit vergangenem verknüpft. Für mich ist es die Hölle. Das Hinterherrufen ist ein kleiner Teil eines großen Ganzen und das macht es manchmal unerträglich und in jedem Fall schlecht.

Wenn ich versuche nüchtern darüber nachzudenken, fällt es mir offen gesagt schwer ein plausibles Motiv für Menschen zu finden, die andere Menschen auf der Straße nachpfeifen oder gar belästigen. Ich verstehe den Gedankengang dahinter nicht. Was erhoffen sich Fremde davon? Man kann aber auch das nicht pauschalisieren.
Und es ist für mich auch kein „männliches Phänomen“, so wie es oft dargestellt wird. Statistisch gesehen passieren gerade sexuelle Übergriffe zwar eher durch den Mann, aber es ist für mich kein Grund die andere Seite auszublenden.
Ich wurde zum Beispiel auch schon mehrfach von Frauen belästigt. Einmal wurde ich sogar von einer Fremden ohne Aufhänger (und selbst wenn) in einer Straßenbahn geschlagen.

Street Harassment und ich als Sozial-Phobiker anhand eines Beispiels

Das Beispiel ist recht aktuell, daher habe ich mich dafür entschieden. Ich begleitete meine Mutter zu einem Arzt und als ich sah wie überfüllt das Wartezimmer war, ging ich nach draußen und sprach mit meiner Mutter ab, dass ich im Café unter der Praxis warten würde. Alleine diese Tatsache (ein Plan wird spontan umgeworfen) machte mich schon ein bisschen nervös. Ich war zuvor noch nie in diesem Café, daher entschied ich mich erstmal daran vorbei zu laufen und unauffällig hineinzuschauen. Allein schon um einen guten Sitzplatz auszumachen. Sozial-Phobiker-Taktik. Tatsächlich saß da ein älterer Mann der mich über die ganze Fensterfront hinweg aus dem Café raus anstarrte. Es war kein gucken, es war ganz offensichtlich ein Starren. Ich war extrem verunsichert und entschied mich einfach die Straße weiter entlang zu laufen um vielleicht ein anderes Café oder eine Sitzmöglichkeit wie eine Bank zu finden. Fand ich leider nicht. Nach einer viertel Stunde in den Straßen umherlaufen, ging ich zum Café zurück. Ich atmete erleichtert auf, als der Mann nicht mehr auf seinem Platz saß. Stattdessen stand er plötzlich hinter mir. Er rief in meine Richtung „Sarah! Sarah!“ – Mehrmals und immer wieder. Ich heiße nicht Sarah. Ich ignorierte ihn und ging weiter. Dann stand er plötzlich vor mir. „Bist du Sarah?“ – Ich verneinte und wollte an ihm vorbei. Er grinste mich an, machte vulgäre Bewegungen und sprach Sätze zu mir, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte.
Was ich genau zu ihm sagte und was ich machte um aus dieser Situation zu entschwinden, habe ich nicht mehr auf dem Schirm. Es ist wie weggeblasen. In diesem Moment, das weiss ich natürlich noch, hatte ich so heftige Angst und ich bin im Nachhinein froh keine Panikattacke bekommen zu haben.
Um die Angst zu konkretisieren: Was würde mit mir geschehen? Was will der Typ von mir? Wie reagiere ich am Besten? Was denken die Leute um uns herum? Was passiert als nächstes?
Der Kerl war irgendwann verschwunden. Ich fand eine Bank gegenüber der Praxis indem meine Mutter noch im Wartezimmer saß, holte ein Buch hervor, tat so als ob ich lesen würde und scannte meine Umgebung ab. Der Tag war gelaufen.

Die Fragen und die Gedanken die in meinem Kopf kreisten, habe ich auch bei „kleineren“ Vorfällen, wie zum Beispiel ein Hinterherpfeifen auf der Straße.

Und nun bin ich so aufgewühlt, dass ich nicht weiss wie ich diesen Artikel gescheit zu Ende bringen soll und ob ich noch irgendetwas loswerden wollte. :D Deswegen einfach… bis bald!

Bildquelle: http://fahrenheit1989.deviantart.com
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18 Antworten

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  1. Hi,

    wie du weisst habe ich mich ja auch zu diesem Thema ein wenig ausgelassen die letzten Tage. Ich danke dir für diesen Artikel und für deine Beschreibung, wieso Street Harassment ein Problem ist. Es ist für mich durch deine Ausführungen klar und verständlich, wo das Problem liegt und ich kann damit etwas anfangen und es verstehen. Street Harassment ist und bleibt in meinen Augen ein sehr persönliches Problem, dass sich nicht generalisieren lässt. Wieviele von 100 Frauen fühlen wie du, wenn Ihnen nachgepfiffen wird? Wieviele von 100 Männern pfeifen Frauen überhaupt nach? Das Alles kann man nicht genau beantworten und das große Problem in der Debatte um Sexismus und den Feminismus, die gerade stattfindet, liegt meines Erachtens nach in der Generalisierung. Nicht jeder Mann, der einer Frau nachpfeift ist ein Arschloch und will sie belästigen. Nicht jede Frau empfindet es als Belästigung und es ist für manche Frauen sogar wirklich etwas ‚Positives‘, wenn so ihr Äusseres gewürdigt wird (wurde mir bereits so gesagt).
    Ich verstehe, dass Street Harassment ein Problem ist – aber auch im von dir gezeigten Beispiel mit dem Mann aus dem Café, kann es schlichtweg ein Mißverständnis gewesen sein und war es vermutlich auch. Natürlich war es beschissen, wie die ganze Situation nach deinen Schilderungen ablief, aber solche Dinge passieren. War der Mann jetzt deswegen ein ‚Belästiger‘, oder ging er einfach nur davon aus, dass jemand Anderes vor ihm steht?

    Es ist nicht Alles böse, was einen Penis hat. Es ist nicht jede Frau, die gegen Street Harassment ist eine agressive Feministin. Ich bin auch gegen Street Harassment, da selbst vermeintlich harmlose Dinge einfach für eine oder mehrere beteiligte Personen ein Problem darstellen kann – und kein Kleines. Aber dies ist von Fall zu Fall unterschiedlich und sollte auch so behandelt werden.

    Womit Ich ein Problem habe, sind allerdings die FeministenInnen, die ohne wirklichen plausiblen Grund nahezu militant reagieren, sobald jemand nicht zu 100% ihre Meinung vertritt.

    Ursu

    10. August 2012 at 15:14

  2. Ouh, das ist hart. Ich verhalte mich auch sehr ähnlich, ich checke auch immer erst mal ab, wie’s in einem Café aussieht – ich gehe auch nie, nie, nie zuerst rein, wenn ich Leute dabei habe ;) Ich kann das Motiv hinter so etwas auch nicht verstehen. Denken diese Menschen ernsthaft, das bringt ihnen etwas? Dass man dadurch interessant für den Angesprochenen wird?
    Ah, ich weiß nicht. Das Thema ist wirklich schwierig und deswegen gehe ich auch gerade abends sehr ungern auf der Straße spazieren.

    Rea

    10. August 2012 at 15:17

  3. Ich glaube das verhält sich so ähnlich wie mit Hunden: wenn Hunde spüren dass ein Mensch Angst hat, werden sie aufmerksam/aggressiv. Selbstsichere Menschen gehen ihnen in der Regel am A**** vorbei. So ist es dann wohl auch mit aggressiven Menschen. Durch deine Phobie verhältst du dich wie ein Opfer. Das nehmen diese Menschen wahr, und glauben dass sie bei dir ihre Aggressionen ausleben können.

    Sarah John

    10. August 2012 at 16:45

  4. Zur Frage des Motivs: Entweder konkretes Interesse und zu wenige soziale Skills um das angemessen rüberzubringen oder Selbstdarstellung („Schaut mal wie cool ich bin“ „Guckt mal was ich mich traue!“. Letzteres ist wohl der Hauptgrund. Die meisten Menschen machen sich 10x mehr Gedanken darüber wie sie selbst rüberkommen als darüber, was mit der anderen Person ist. Wenn jemand sich selbst profilieren möchte ist es fast egal, wer da vorbeigeht und wem da nachgepfiffen wird. Die Person ist völlig austauschbar^^

    erzaehlmirnix

    10. August 2012 at 20:36

  5. Hm so sehr ich auch sonst ein sehr empathievoller Mensch bin, so kann ich das teilweise nicht ganz nachvollziehen und sehe das ähnlich wie Sarah John. Evtl ist dir eine gewisse Unsicherheit in’s Gesicht geschrieben, die dich natürlich noch mehr angreifbar macht. Ich werde auch oft angequatscht und mir wird hinterhergepfiffen. Als Kind habe ich auch einen Kidnappingversuch miterlebt und trotzdem trete ich da relativ selbstbewusst auf und mir gehen solche Street Harassments, im Sinne von anquatschen, überhaupt nicht nahe. Was hast du zu fürchten? In einer Stadt unter vielen Menschen von fremden Männern weggezerrt zu werden?
    Warum machen manche Männer das?: Ganz einfach. Sie brauchen Aufmerksamkeit oder das Gefühl davon, dass du dich peinlich berührst fühlst.
    In dem Moment, in dem man zurück schaut oder sogar gar ignoriert, dann lachen die sich insgeheim einen. Die brauchen das einfach um ihr Anerkennungsgefühl (oder sonst was) zu stärken.
    Klar ist es nervig, dass die das machen, aber so lange die nicht handgreiflich werden, mach ich mir persönlich nichts daraus. Ich lach mich innerlich selber kaputt, dass jemand seine Anerkennung damit stärken will, weil es ziemlich lächerlich und auf dem untersten Niveau ist.
    Anderseits springt für dich evtl sogar was bei heraus. Ich meine wenn jemand hinter einem hinterherpfeift, dann wird das ja nicht gerade gemacht, wenn man unansehnlich ist.
    LG Chi Courtesy

    Chi Courtesy

    11. August 2012 at 03:53

  6. Ich kenne dein Problem nur zu gut. Ich finde es einfach irgendwie oberflächlig einer Frau hinterher zu pfeifen, so als hätten fremde Personen das Recht dazu einen einfach auf der Straße zu bewerten. Und wenn man sich die Menschen anschaut, die einem hinterher pfeifen weiß man meist wie das Pfeifen zu interpretieren ist. Vorallem wenn ältere Männer vulgäre Bemerkungen machen finde ich dieses äußerst unangenehm, ich möchte gar nicht, dass mich solche Menschen atraktiv finden. Soetwas kann zudem auch gefährlich werden, eine Freundin musste das vor kurzem miterleben als die allein abends nach Hause gegangen ist.Zuerst hat der Mann auch nur gepfiffen und Bemerkungen von sich gegebenals er mit dem Auto an ihr vorbei fuhr. Geendet hat es damit, dass er sie verfolgt hat und ihr zu Fuß hinterhergelaufen ist und sie in sein Auto locken wollte , sodass sie am Ende die Polizei rufen musste. Klar, nciht jeder Mann der pfeift ist ein Arschloch und verfolgt junge Frauen, aber in solchen Situationen kennt man eben die Motive der betreffenden Person nicht. Wenn ich allein in der Öffentlichkeit bin, dann drehe ich immer meinen MP.3 Player so weit auf, dass ich Bemerkungen von anderen Menschen gar nicht erst hören kann und mir somit auch keine Gedanken darüber machen kann.

    Christin

    11. August 2012 at 16:01

  7. Vielleicht saß da ein Mann der wirklich glaubte eine junge Frau zu erkennen.Eine junge Frau ,eine Tochter ,ein Gesicht aus der Vergangenheit.? Einen Menschen denn Er schon lange nicht mehr gesehen hatte . Vielleicht hatte er den Eindruck auch du hattest ihm erkannt .Er war aufgewühlt hat dich gesucht und auch Sarah Sarah gerufen. Ich wäre stehen geblieben und hätte im gesagt -Ich bin nicht Sarah.Vielleicht hätte er sich sogar entschuldigt.Aber so war er tief verletzt.Eine Wunde aus der Vergangenheit war neu aufgerissen.Das er ausfallend wurde schimpfte war sein Schutz.Viele Männer weinen heimlich Sie haben nicht gelernt Gefühle zu zeigen. Das sind die Gedanken einer alten Frau die nicht nur an Böses denkt wenn Sie mal angesprochen wird.Ich kann nur jungen Frauen raten –geht im Sportverein und übt SELBSTVERTEIDIGUNG..Es stärkt das Selbstvertrauen.

    Ullala

    13. August 2012 at 11:56

  8. Es geht hier doch eben grade NICHT darum, wieso der Mann das gemacht hat. Es geht darum, dass er dazu kein Recht hatte und dass er Erbse damit verletzt hat. Menschen, mit denen ich mir den öffentlichen Raum teilen muss, haben kein Anrecht auf meinen Körper und auch kein Recht, diesen zu bewerten. Und zwar in keiner Situation, egal wie man dabei angezogen ist, egal wie man guckt, egal was man tut. Einige Beiträge hier lassen sich zusammenfassen durch:
    „Mensch Mädchen, du hast dich zwar zu Tode gefürchtet und es ging dir Tage später noch im Kopf rum und der Mann hatte auch wirklich kein Recht dazu, aber in Wahrheit bist ja du die Böse/Schuldige, weil du dich nicht von jedem befummeln lässt, der ja vielleicht doch nette Motive hat, oder den du dazu verführt hast.“

    Es kann Erbse ganz scheißegal sein, ob ein Mann, der ihr gegenüber sexuell übergriffig wird, sich durch ihre Ablehnung gekränkt fühlt. SIE ist wichtig, ihre Grenzen sind wichtig und was nicht wichtig ist, sind die Gründe, warum ein andere meint, diese nicht respektieren zu ,müssen.

    Übrigens sind schon vorbelastete (durch einen sexuellen Übergriff traumatisierte) Menschen oft gar nicht in der Lage, sich durch Worte/Taten zu wehren, wenn sie bedrängt werden, weil von den drei grundlegenden Stressmustern (Kampfreaktion, Fluchtreaktion, Erstarren) nur einer Retraumatisierung zur Verfügung steht -. das Erstarrem. Das Erstarren ist die Reaktion auf eine übergroße Bedrohung, von der man bereits gelernt/abgespeichert hat, dass sowohl Flucht als auch Kampf unmöglich waren. Ratschläge wie „du darfst nicht zeigen, dass es dich verletzt/du musst dich soundso wehren“ greifen bei traumatisierten Menschen ins Leere. Sie KÖNNEN nicht so handeln.

    Anstatt Erbse vorzuwerfen, sie würde „wie ein Opfer herumlaufen“, den Täter kränken, wäre zu empfindlich… Wer kommt bitte einfach mal auf die Idee sie ernst zu nehmen, und anstatt dem Opfer den Täter anzuklagen?

    Nicht jede Frau hätte so reagiert wie Erbse, das ist wahr. Aber keine andere Frau muss Erbses Leben leben und ihre Ängste ausstehen. Also lasst doch gefälligst den Menschen die Definitionshoheit über das, was sie verletzt und maßt euch nicht an, aus eurer privilgierten Warte darüber zu entscheiden.

    lailamoonchild

    13. August 2012 at 23:19

  9. Ich habe Tiefenangst.Ein trauma aus meiner Kindheit.1945 Januar auf der Flucht.Ostpreußen-Wir Flüchtlinge in der Front.Mutter hatte meine Schwester 1.5 Jahre mit einen Tischtuch an ihren Leib gebunden.Mein Großvater ließ mich nicht los .Bei jeden Angriff liefen wir um unser leben.Die Gustloff nahm uns nicht mehr mit ,total überladen.Dann kam ein neues Schiff.wurde auch total Überladen. Unsere Gruppe bestand aus Familie 5 Erwachsene u.3 Kinder.und eine Mutter mit 2 Söhne ca.14u.16.j.Verwundete-.Kinder-Erwachsene- tief unten im Schiff nur mit einer Notbeleuchtung..Ich hatte Geburtstag wurde 6 Jahre.Dann kam ein Angriff.Das Schiff werte sich .-Wir hatten Flack an Deck.Diese nach Dreck Blut Schweiß stinkene Masse fing an zu beten.Dieses habe ich nie vergessen.Klar jetzt kommt der Satz ein 6 J Kind kann sich nicht so erinnern. Stimmt sogar.!!!Aber mein Großvater hat mit mir Erinnerungen aufgearbeitet.Ich hatte keine Angst nur selbsterhaltungstrieb .Den habe ich auch noch heute.Die waren Helden sind die Mütter die im Krieg ihre Kinder beschützen……Ich mag Erbse sehr. Sie ist mir sehr wichtig und das weiß Sie auch.Erst bei Erbses Blochs habe ich begriffen das meine Mutter fast Ihr Leben lang krank war und ich viele Fehler gemacht habe.Ich habe aus meine Fehler gelernt ,Die Wahrheit tut weh aber in Watte packen bringt garnichts.Dieses ist ein kleiner Teil–abgerufen von meinen Sonderkonto das ich mir im laufe der Jahre angelegt habe.

    Ullala

    15. August 2012 at 11:12

  10. Hallo lailamoonchild, und alle die es vielleicht auch noch interessiert… um das mit dem „wie ein Opfer rumlaufen“ klarzustellen: ich wollte Erbse damit nicht runtermachen. Ich habe lediglich aus eigener Erfahrung gesprochen. Denn als ich jünger war, war ich so schüchtern, daß ich mich nicht einmal getraut habe nach oben zu gucken. Habe beim Gehen immer auf den Boden geguckt. Zu dieser Zeit musste ich mir die schlimmsten Sprüche anhören. Jeden Tag. Doch jetzt wo ich voller Selbstbewusstsein und Freude durchs Leben gehe, höre ich absolut keine Sprüche mehr. Deswegen denke ich mir, daß aggressive Leute nur auf schüchtern wirkende Menschen warten, um ihre überschüssige Energie loszuwerden. Und an Ullala:meine Oma hat die Gustloff auch verpasst :)

    Sarah John

    15. August 2012 at 17:20

  11. My 2 cents:

    @lailamoonchild: Anstatt darüber zu klagen wie gemein die Täter sind, ist es nicht viel besser eine Lösung zu finden, was getan werden kann damit Erbse das nicht noch einmal passiert?
    Natürlich sind die Täter böse und verhalten sich kriminell, das steht doch gar nicht zur Diskussion.
    Das Problem Street Harassment soll auch auf keinen Fall klein geredet werden.
    Nur: Dass man darüber spricht hilft vielleicht für die erste Verarbeitung der Situation, aber eine Langzeitlösung sieht anders aus. Erbse soll geholfen werden, aber Mitleid ist keine wirkliche Hilfe, nur temporärer Balsam für die Seele.
    Und das einzige, was man wirklich in der Welt verändern kann ist man selber. Du kannst den Täter nicht ändern, nur Dich selber und Deine Reaktion auf ihn.

    Daher hier mein Vorschlag für eine Langzeitlösung.
    Selbstverteidigung lernen hilft wirklich. Ich würde Boxen empfehlen. Das lernt man recht schnell und man lernt sofort sich zu überwinden jemandem ins Gesicht zu schlagen. Seitdem ich Kampfsport mache (inzwischen 12 Jahre) passiert Street Harassment viel seltener.
    Kampfsport/Selbstverteidigung bewahrt einen natürlich nicht davor erneut Opfer zu werden, aber jetzt hab ich endlich die nötige (verbale) Courage mich in so einem Fall zu wehren. Einfach weil ich weiß, was ich alles machen kann, falls es ernst wird. Leider, leider ist nicht jede der Typ für Kampfsport (oder Sport im allgemeinen). Und der Erfolg tritt vielleicht erst nach ein paar Monaten nachdem man regelmäßig trainiert hat ein. Einen Versuch wärs aber Wert, wer weiß, vielleicht macht es Dir ja sogar Spaß :-)

    D.A

    15. August 2012 at 21:13

  12. Liebe Erbse,
    ich lese deinen Blog schon eine ganze Weile still mit. Heute habe ich aber das dringende Bedürfnis, mich zu Wort zu melden: Ich kann ABSOLUT nachvollziehen, wie unangenehm dieser Vorfall für dich gewesen sein muss. Zu der Diskussion hier: Im aktuellem Spiegel findet sich gerade ein Artikel über Sofie Peeters und ihren Dokumentarfilm „Femme de la rue“ (http://www.stopstreetharassment.org/2012/07/belgiumdoc/). Da mir schon dieser kurze Trailer gereicht hat, um absolut das zu bestätigen, was Frau Peeters in ihrem Film zeigt, muss ich leider noch hinzufügen: Da hilft auch kein starkes Selbstbewusstsein oder ein Selbstverteidigungskurs (ich hab beides). Es ist einfach nur unverschämt, beleidigend und nervend (und ich bin noch nie so krass bedrängt worden wie Erbse). In Belgien überlegt die Regierung sogar schon, ein Bußgeld von 250 EUR bei sexistischen Äußerungen zu vehängen…

    PS: Erbse, ich wünsch dir alles Gute! Du bist einfach nur toll!

    Frau Jott

    23. August 2012 at 17:59

  13. Mich macht es immer immens wütend, wie wenig man ernst genommen wird wenn man sagt, dass man sich durch solche Übrgriffe – auch wenn sie „nur“ verbal sind – bedroht fühlt.

    Ich kenne das mit dem hinterhergepfiffen bekommen und angequatscht werden leider nur zu gut. Auch physische Übergriffe musste ich schon erleben… und jedes mal, wenn ich jemandem davon erzähle, wenn ich davon berichte, wie scheu mich das gemacht hat, so scheu, dass ich die Straßenseite wechsele, wenn ich ein Grüppchen junger Männer an der Ecke stehen sehe, so scheu, dass ich mittlerweile abends und nachts in der Bahn lieber an der Tür stehen bleibe und mich wenn es dunkel ist kaum noch allein raustraue höre ich immer wieder nur: „Ach, die spielen sich doch nur auf… die wollen dir doch garnichts böses… wollen ja nur vor ihren Freunden imponieren… Hormone… Hörner abstoßen…“, und mir wird gesagt, ich solle das nicht so ernst nehmen, ich sei doch ein großes, starkes Mädchen, immerhin sei ich hier in der Großstadt aufgewachsen und hätte im Laufe der Jahre doch gelernt, mich zu wehren und durchzusetzen, ich solle mir das einfach nicht gefallen lassen und es ignorieren… Und zack, bin ich damit genau in der verzweifelten Situation, mit denen Opfer von Vergewaltigungen so zu kämpfen haben, denen man sagt, sie hätten es ja provoziert oder sie hätten sich ja wehren können.

    Die größte Verhöhnung meiner Angst war in meinen Augen immer noch die Dose Pfefferspray, die mein Exfreund mir schenkte nachdem ich ihm sagte, ich fühle mich unwohl auf dem langen Heimweg spät Abends ganz allein. Das kam für mich damals wie eine Ohrfeige. „Hier, damit kannst du dich verteidigen, dann brauche ich das nicht tun. Wenn es nichts bringt, naja… dann hattest du ja wenigstens die Möglichkeit, und ich bin fein raus.“

    Ich kann nur wieder sagen: Instead of teaching women not to get raped, we should teach men not to rape. Und sexuelle Anspielungen von Fremden zählen für mich da auch schon zu.

    Peace & stay weird

    weirdstray

    24. August 2012 at 19:37

  14. Also bei manchen Kommentaren hier fällt mir echt die Kinnlade runter. @D.A. Warum soll es Erbse zufallen, eine Lösung für das Problem zu finden? Was ist das denn bitte für eine merkwürdige EInstellung? Was sich ändern muss ist, dass Street Harassment endlich mals als Problem angesehen wird und Außenstehende bei sowas einschreiten. DAS wäre eine Lösung. Nicht „Naja, die sind halt so, lern eben dich zu verteidigen.“
    Dazu kommt, dass Frauen die Selbstbewusst wirken lt. Studien _häufiger belästigt werden. Könnte daran liegen, dass Street Harassment in den meisten Fällen eben kein Versuch Kontakt aufzunehmen, sondern Macht auszuüben oder zur Schau zu stellen. Das ist natürlich bei selbstbewussten Frauen viel „notwendiger“.
    @Erbse lass dir keinen Blödsinn einreden, der Typ hat sich einfach daneben benommen und es ist völlig egal aus welchen möglicherweise tiefenpsychologischen Gründen.

    Faye

    25. August 2012 at 11:59

  15. Hallo,

    danke für eure zahlreichen Kommentare. Es fällt mir im Moment schwer zu dieser Thematik zu antworten. Ich hoffe auf euer Verständnis.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

    Erbse

    25. August 2012 at 21:06

  16. @Ullala:
    Oh und WIE sich ein 6 Jahre altes Kind erinnern kann! Keiner meiner Verwandten hat noch ein einziges Mal erwähnt, dass mir früher körperlich zugesetzt wurde.. und dennoch habe ich viel zu oft, viel zu reale Erinnerungen daran.

    @Erbse:
    Solche Situationen kenne ich. Es tut mir sehr Leid, was dir an diesem Tag passiert ist. Natürlich mag es, wie Jemand hier schon schrieb, nicht in seiner Absicht gewesen zu sein, dir zuzusetzen. Das ändert aber lange nichts an deinen Gefühlen. Aus welcher Absicht eine solche Annäherung stattfindet, tut deiner Angst und evtl. Panik nichts zur Sache.
    Ich verfalle manchmal schon in Panik und möchte flüchten, wenn es Bekannte sind, die in der Stadt hinter mir her laufen, weil sie mich erkannt haben, meinen Namen riefen, und ich sie ignorierte, weil ich keine Zeit oder keinen Kopf für ein Gespräch hatte in dem Moment. Hinterher laufen.. Oo
    Ähnlich ergeht es mir schon mit kleinen Situationen, die sich spontan ändern. Mag ich nicht. Überhaupt nicht. Ich denke, ich kann das einfach nur gut überspielen. Denn darüber geredet hab ich so noch mit Niemandem darüber.
    Als Teenie hab ich immer meinen kleinen Bruder vorgeschickt, wenn wir schnell mal zum Bäcker sollten oder Ähnliches.
    Genauso muss ich alles, wo ich hingehe, entweder sehr gut kennen.. oder vorher auch erst einmal minutenlang drumherum schleichen und einen guten Platz aus machen. Wenn Jemand dabei ist, muss derjenige zuerst das Café oder Ähnliches betreten. Damit ich schnurstraks sitzen kann. Ich mag es auch nicht, mit dem Rücken in den Raum zu sitzen.. weil ich dann das ständige Gefühl habe, mich schaut Jemand, oder mich schauen viele an..

    ManuJosy

    15. Oktober 2012 at 09:06

  17. Empathie für die Tat eines Täters ist im wahrsten Sinne pervers. Täterverständnis ist leider weit verbreitet und vermutlich unterhalb der Psychologie verdrahtet, siehe Milgram-Experiment. Irgenwann hat der Homo Sapiens in seiner Evolution davon profitiert, wenn die Gruppe zugunsten ihres Führers das Hirn ausschaltet.

    So ließe sich erklären, warum sogar der Übergriff eines Machtkranken zu Verhaltensregelnratschläge für das Opfer und verbrämten Entschuldigungen für den Täter führt.

    Siehe auch http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejsp.846/pdf

    In dem Papier geht es um die Verschiebung von Werten innerhalb von Gruppen. Wenn in einer Gruppe etwas schlimmes passiert, setzen nicht etwa Selbstreinigungskräfte und Klärung ein, sondern die pseudomoralischen Kernwerte verschieben sich von „das war schlecht“ zu „wir müssen der Autorität loyal sein“.

    Übrigens ist „Machterkrankung“ (die aggressive Ausübung von Machtverhalten zur Aufwertung des eigenen Egos zu Lasten Anderer) kein anerkannter Überbegriff für Klassifikationen im DSM-IV oder ICD-10. Das wird alles fein säuberlich zerfasert in Narzissmus, Psycho- u. Soziopathie, Borderline usw.

    Das ist verwunderlich wenn man bedenkt wie durchsetzt diese Gegenwart ist von der Machterkrankung.

    Ava Odoémena

    18. November 2012 at 22:16

  18. Der Beitrag ist ja nun schön älter aber ich möchte dir, erbse, unbedingt danken für deine offenen Worte! Das war sicher nicht leicht, umso toller finde ich das von Dir!

    Und ich bin froh darüber, dass es doch noch ein paar Kommentare gab von Menschen, die offensichtlich in der Lage sind ein so wichtiges und sowohl emotional als auch politisch aufgeladenesThema zu reflektieren vor dem Schreiben…

    Janina

    15. Juli 2013 at 21:04


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