…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Afghanistan

with 3 comments

Ein Afghanistan wo Männer und Frauen frei sind. Frauen tragen kurze Röcke, enge Hosen, westliche Mode. Sie tragen bunte Farben, sind nicht gezwungen sich zu verschleiern, außer sie selbst verspüren den Wunsch. Die Menschen in Afghanistan schauen Videofilme, hören Musik und tanzen dazu. Sie sehen sich Fotografien an, die sie an große Festlichkeiten und schöne Tage erinnern. Männer wie Frauen gehen auf Universitäten, haben die Möglichkeit zu studieren. Frauen ergreifen hohe Positionen und gute Stellen. Etwa im Ministerium, als Lehrkraft, als Ärztin, als Stewardess, als Journalistin. Sie alle sind gläubige Muslime. Sie alle kennen den Koran. Können lesen und schreiben. Sie glauben an Allah den Allbarmherzigen.

Afghanistan war mehr als sechzig Jahre lang unter britischer Vorherrschaft, später von den Russen besetzt. Die damalige demokratische Republik Afghanistan unterlag hier vielen westlichen Einflüssen. Bis 1989 hielt diese Regierung an, durch immerwährende Aufstände und den Bürgerkrieg zogen die Sowjets letztendlich ab. In den Jahren danach tobte immer noch Krieg. Teile Afghanistans waren ohne richtige Regierung. Als 1994 das erste Mal die Taliban im Land eine große Rolle spielten und diese 1995 Afghanistan mit Bombenanschlägen attackierte, fielen an manchen Tagen 300 bis 1000 Bomben auf die Stadt Kabul. Und trotzdem: Noch waren die Frauen frei. Trotz der Kriege und der Zerstörung lebten die Menschen mit bunten Farben, Festen und Bildung.

by SiarFisher

Am 27. September 1996 jedoch werden in ganz Kabul weiße Fahnen gehisst. Das Zeichen der Taliban. Sie haben die Hauptstadt eingenommen und ihr fanatisches, in den Deckmantel der Religion gehülltes, Verbrecher-Regime durchgesetzt. Von einen Tag auf den Anderen änderte sich alles.

Einige der von den Taliban fälschlicherweise auf den Koran gestützten neuen Gesetze (Scharia):

  • Jeder, der eine Waffe besitzt, hat diese beim nächsten Militärposten oder der nächsten Moschee abzugeben.
  • Mädchen und Frauen dürfen nicht mehr außer Haus arbeiten.
  • Alle Frauen, die gezwungen sind, sich außerhalb ihrer Wohnung zu bewegen, müssen von einem Marham begleitet werden, das heißt, ihrem Vater, Bruder oder Ehemann. (Anmerkung: Hausarrest für die Frauen, alleinstehende Frauen haben keinerlei Chance)
  • Die öffentlichen Verkehrsbetriebe stellen getrennte Busse für Frauen und Männer bereit.
  • Die Männer müssen sich Bärte wachsen lassen und ihren Schnurrbart nach den Vorschriften der Scharia stutzen.
  • Männer haben einen Turban oder eine weiße Kappe auf dem Kopf zu tragen.
  • Es ist verboten, sich in Anzug und Krawatte zu kleiden. Stattdessen muss traditionelle afghanische Tracht getragen werden.
  • Frauen und Mädchen haben die Burka anzulegen.
  • Ihnen ist untersagt, unter dem Schleier Kleidungsstücke in lebhaften Farben zu tragen.
  • Es ist verboten, Nagellack oder Lippenstift zu benutzen oder sich das Gesicht zu schminken.
  • Jeder Muslim hat die Gebete zur vorgeschriebenen Stunde zu verrichten, an dem Ort, an dem er sich gerade befindet.
  • Es ist verboten, Fotos von Menschen und Tieren auszustellen.
  • Eine Frau darf kein Taxi nehmen, wenn sie nicht von einem Marham begleitet wird.
  • Kein Arzt hat das Recht, unter dem Vorwand einer Untersuchung den Körper einer Frau zu berühren.
  • Eine Frau darf keinen Herrenschneider aufsuchen.
  • Junge Mädchen dürfen sich nicht mit jungen Männern unterhalten. Bei Zuwiderhandlung werden die Missetäter sogleich verheiratet.
  • Muslimische Familien dürfen keine Musik hören, auch nicht anlässlich einer Hochzeitsfeier.
  • Familien ist es untersagt, Fotos oder Videofilme aufzunehmen, auch nicht bei Hochzeiten.
  • Verlobten Frauen ist es verboten, Schönheitssalons aufzuschen, auch nicht anlässlich von Hochzeitsvorbereitungen.
  • Muslimische Eltern dürfen ihren Kindern keine unislamischen Vornamen geben.
  • Alle Nicht-Muslime, das heißt, Hindus und Juden, haben gelbe Kleidung oder ein Zeichen aus gelbem Stoff zu tragen. Sie müssen ihre Wohnstätten mit einer gelben Fahne bezeichnen, damit sie erkennbar sind.
  • Allen Händlern ist es untersagt, alkoholische Getränke zu verkaufen.
  • Den Händerln ist verboten, Unterwäsche für Frauen zu verkaufen.
  • Wenn die Polizei einen Zuwiderhandelnden bestraft, hat niemand das Recht, Fragen zu stellen oder Kritik zu üben.
  • Das Pfeifen sowie der Besitz von Flötenkesseln ist untersagt.
  • Der Besitz von Hunden und Vögeln ist verboten.
  • Verstöße gegen die Gebote der Scharia ziehen eine öffentliche Bestrafung nach sich.
  • uvm.

Jeder kann sich vorstellen was dies für die Bevölkerung und besonders für die Frauen bedeutete. Frauen wurden komplett isoliert. Es scheint als wolle man sie systematisch ausrotten. Die „Scharia“ wurde mit nicht vorstellbarer Gewalt und regelrechten Massakern durchgesetzt. Um die Angst in der Bevölkerung zu schüren, wurden teilweise auch wahllos Menschen gefoltert, vergewaltigt und getötet.

Einige Teile Afghanistans wurden nach dem Anschlag am 11. September 2001 auf die USA durch US-amerikanische Streitkräfte von den Taliban befreit. Viele Taliban flüchteten nach Pakistan, wo sie sich neu formierten und wenige Jahre später erneut in Afghanistan in Erscheinung traten.

Ich habe letztens ein Buch zu Ende gelesen, aus dem auch die zitierten Gesetze der Taliban stammen. Machtlos fühle ich mich. Erschrocken von all den Eindrücken dieser anderen Welt, die ich zwar zum Teil aus den Nachrichten oder durch TV-Reportagen kenne, aber so bewusst wie in diesem Moment war mir dieses ganze Verbrechen noch nie. Die Bücher transportieren Emotionen. Das ist es was mich jetzt so ergreift. Das vermag keine nüchterne Nachrichtensendung schaffen. Heute am bundesweiten Vorlesetag möchte ich euch ein Buch besonders ans Herz legen. Es ist nicht herausragend geschrieben und verdient sicherlich auch keinen Literaturpreis, aber es zeigt eine Welt die uns hier in Deutschland völlig fremd ist. Das Buch heißt „Das verbotene Gesicht – Mein Leben unter den Taliban“ von Latifa (ISBN: 3547758408) und erzählt die wahre Geschichte von einer afghanischen Familie mitten in Kabul zu den Zeiten vor und während der Taliban-Herrschaft. Auch Interessierte an der Geschichte Afghanistans können hier viele Informationen finden.

P.S: Bücher kann man auch gebraucht online kaufen. So spart man Geld und tut auch noch etwas Gutes. Meine Lieblingsanlaufstelle für Bücher ist: http://www.medimops.de

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Written by Erbse

18. November 2011 um 11:35

3 Antworten

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  1. Danke für diesen Beitrag!
    (Wobei man ja für Frauenunterdrücken gar nicht so weit reisen muss, aber das ist eine andere Sache *gg*)

    Faserpiratin

    18. November 2011 at 11:49

  2. Tolle Idee!
    Im Grunde habe ich dann ja gestern schon meinen beitrag geleistet, indem ich mein Lieblingsbuch vorgestellt habe;-) Aber die Idee ist so gut, dass ich sie fast nochmal offiziell umsetzen möchte:-)

    Lieben Gruß

    Kathrin

    18. November 2011 at 11:51

  3. Danke, Mädels. :)

    Erbse

    18. November 2011 at 11:53


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