…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Ein Katzenleben 2.0

with 7 comments

Die fremden Katzenaugen starren mich in der Nacht an. Ich hocke in meinem Versteck hinter den Volieren, in denen riesige Ratten hausen, die mir aber nichts tun und mich hier in ihrer Nähe liegen lassen. Sie sind emsig, nachts viel beschäftigt und schnüffeln mich manchmal aus der Ferne an. Ich habe keinen Gedanken für sie übrig, muss aufpassen, dass die fremden Katzen mir nicht zu Nahe kommen. Wenn die graue Katze mich mit ihren gelben Augen fixiert und faucht wie ein wildes Tier, zittere ich am ganzen Körper. Ich bleibe in meinem Versteck liegen, bis mich die Menschen abends herausziehen um mich ins Klo und danach vor den vollen Fressnapf zu setzen. Ich fühle mich in ihrer Nähe sicher. Ich schlage mir jeden Abend den Bauch voll und verschwinde nachts wieder in mein Versteck bis zum nächsten Abend.

Der grauweiße Kater sucht manchmal den Kontakt zu mir. Langsam verstehe ich, dass er freundlich ist. Mit mir Futter teilen möchte und auch schon mal versuchte mit mir zu spielen. Aber ich traute mich nicht, war so verunsichert, dass ich ihn leise anfauchte. Er nahm es mir nicht übel und ließ mir meine Ruhe.

Das geht nun seit einigen Tagen schon so. Morgen bin ich genau eine Woche hier und heute habe ich mich das erste Mal alleine abends aus meinem Versteck getraut. Die Menschen staunten nicht schlecht, als ich plötzlich vor ihnen im Flur stand. In ihrem sicheren Schatten lief ich ins Katzenzimmer um zu schlemmen. Sie streicheln mich viel. Aber die graue Katze macht mir Angst. Gestern saß sie direkt vor mir und fauchte, brummte mir direkt in mein erstarrtes Gesicht. Die Menschen sagen, dass die graue Katze nur eine große Klappe hat, mir aber nichts machen würde. Ich weiss nicht, ob ich ihnen glauben soll. In der Nacht konnte die schwarzhaarige Menschenfrau nicht richtig schlafen, weil die graue Katze viel brummte und fauchte und mich nicht mehr von einem Zimmer ins andere ließ. Die Menschenfrau wälzte sich hin und her, knipste manchmal das Licht an. Ich wollte zurückfauchen, aber wenn ich sehr aufgeregt bin, fange ich an zu grunzen. Das Grunzen hielt die Menschenfrau noch lange wach. Das wollte ich nicht. Sie sagt, sie sei mir nicht böse, sie mache sich Sorgen, weil ich eine ganz kurze Persernase habe. Ich weiss nicht was das bedeutet. Ich bin so wie ich bin.

Mittlerweile habe ich auch einen Namen bekommen. Der Menschenmann wollte mich wohl zuerst Kritzelkratz nennen. Wenn die Menschenfrau nicht hinhört, ruft er mich noch so. Aber eigentlich heiße ich jetzt Kyoko. Das ist japanisch, sagt die Menschenfrau. Es bedeutet Spiegel. Weil ich so schön bin, sagt sie. Und weil sie das Buch „Spiegel, das Kätzchen“ so gerne mag. Ich weiss nichts von diesem Buch und auch mein Name ist mir erstmal egal, aber dass sie mich schön findet gefällt mir.

Jetzt wo ich mich ein bisschen mehr traue, hat die Menschenfrau schnell einen Telefonapparat aus dem Blitze schießen hervorgeholt um mich mit meinem Baldrianspielzeugkissen und den zwei anderen Katzen zu fotografieren. Normalerweise komme ich der grauen Katze nicht so nahe.

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Written by Erbse

11. November 2011 um 22:20

7 Antworten

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  1. So eine hübsche Katze… und das arme Dinge, ich habe bei „Katzenleben“ richtig heulen müssen :(
    Aber es ist schön zu lesen, dass sich das arme Ding langsma eingewöhnt. Mein Perser-Findling hat auch länger gebraucht, bis er aus meinem Zimmer gekommen ist und sich den Rest der Wohnung angesehen hat. Und das Problem mit der flachen Perser Nase kenne ich… mein Kater schnarcht bzw atmet manchmal dadurch ziemlich laut :(
    oh und das Baldrianspielzug seiht ja echt witzig aus :)

    Lilienknochen

    11. November 2011 at 22:34

  2. Danke für deine Worte. :)
    Ich war erst etwas erschrocken auf Grund des Grunzens. Die anderen beiden sind ja auch Perser, haben aber etwas mehr Nase und keine Probleme mit der Atmung. Zum Glück. Daher war das erstmal etwas neu für mich. Werde das beobachten. Bisher habe ich das Grunzen nur bei starker Aufregung bemerkt.
    Dein Persermann ist übrigens ein Prachtkerl. :) Hast ja ab und zu mal Fotos von ihm gezeigt.

    Erbse

    11. November 2011 at 22:37

  3. Ich finde ja Hauskatzen irgendwie besonders toll und schön, aber meistens steh ich da alleine da ;-)
    Schön, dass sie sich langsam einlebt. Wird schon!

    Faserpiratin

    11. November 2011 at 22:53

  4. Du schreibst so schön, mir kommen immer die Tränen.. Ich hoffe, dass Kyoko sich ganz schnell bei euch einlebt.

    Roxy

    12. November 2011 at 00:00

  5. Einleben braucht halt seine Zeit und sie scheint auf einem guten Werk zu sein. :-) Aber dieses Schnaufen von Persern kenn ich. Perserkatzen tun mir immer ganz furchtbar leid, weil man sie einfach völlig verzüchtet hat. :-/

    Und bist du dir sicher, dass kyoko Spiegel bedeutet?
    kagami wäre zum Beispiel ein Wort für Spiegel. kyoko finde ich leider nicht. Dabei würde kyôko (bzw. kyouko) soviel wie „Stärke, Festigkeit, Unzerstörbarkeit“ bedeuten und kyôkô (bzw. kyoukou) „Entschlossenheit, Entschiedenheit“. Wären ja vielleicht auch interessante Bedeutungen. :-)

    Raine

    14. November 2011 at 18:56

  6. Hallo Raine. :)

    Ich habe einige Namensseiten durchforstet und da bedeutet der Vorname Kyoko immer Spiegel. Beispiel: http://www.baby-vornamen.de/Maedchen/K/Ky/Kyoko/
    Ansonsten bin ich dem Japanischen nicht mächtig und verlasse mich da natürlich auf Andere. Aber auch deine genannten Bedeutungen finde ich nicht verkehrt. :)

    LG

    Erbse

    14. November 2011 at 19:04

  7. @Erbse: Wenn du es häufiger mit der Bedeutung gefunden hast, dann wirds wohl richtig sein. Hab ich wieder was gelernt. :-)

    Raine

    14. November 2011 at 19:15


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