…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Es beim Namen nennen

with 4 comments

Vor einigen Jahren noch, hat mich die Angst manchmal total zerfressen. Besonders wenn ich alleine war. Ich konnte nicht alleine sein. Nachts zum Beispiel. Oder draußen. Ich brauchte immer vertraute Menschen um mich herum, wenn es nicht gerade Tag war und ich nicht draußen. Das hat sich bedingt geändert. Die Angst ist nur noch selten so groß, dass ich denke ich müsse sterben. Nur noch selten so groß, dass ich in Ohnmacht falle oder mein Körper mir andere Streiche spielt.

Überwunden ist es nicht. Aber ich bin ein großes Stück weiter und das habe ich einer ganz bestimmten Strategie zu verdanken, die ich bereits als kleines Mädchen kannte. – Ich war schon immer „schüchtern“ und versteckte mich hinter Mama. Als diese Schüchternheit aber Überhand nahm und mich schon früh in meinem Alltag einschränkte, wurde langsam klar, dass ich doch nicht einfach nur schüchtern war. Diese Angst, die mir Bauchschmerzen bereitete war für meine Familie und mich eine riesige Belastung. Was hat das Kind nur? Warum macht es uns das Leben so schwer? Ich dachte ich sei verrückt. Man versuchte meine körperlichen Symptome zu behandeln und ließ meine Seele außer Acht. Bis ich irgendwann die Initiative ergriff und durch einige Schicksale innerhalb der Familie angetrieben, zu einer Kinderpsychologin ging. Wir waren alle einfach hilflos und überfordert. Bis ich die erste Diagnose bekam. Angststörung. Soziale Phobie. Depressionen. – Da war es endlich. Soziale Phobie. Der Name für meine Angst. Die Diagnose war nicht schockierend für mich. Im Gegenteil, sie hat es geschafft das Regenerieren und Schließen meiner Wunden anzutreiben. Meine Angst hatte einen Namen und seit dem war sie nie wieder so bedrohlich für mich.

Unbekannte Dinge können uns schnell Angst einjagen. Die beste Methode ist es diese kennenzulernen. Ihnen einen Namen zu geben.

Vor einiger Zeit hatte ich schon mal von SoPho dem großen Krakenmonster geschrieben. Ich habe meiner Angststörung die Gestalt einer Krake gegeben. Bedrohlich, aber in einem anderen Element lebend. Mittlerweile arbeite ich viel mit solcher Art Symbolen. Sie helfen mir meine Gedanken während den Angstschüben besser unter Kontrolle zu bringen. Es ist leichter an ein vielbedeutendes aber einfaches Stichwort zu denken, als an viele viele Stränge, die einen in solchen Momenten bloß überfordern oder die einem erst gar nicht in den Sinn kommen wollen.

Neben meinem Krakenmonster, welches ich übrigens jetzt gerade in ein kleines Aquarium verbannt habe (in Angstsituationen schwimme ich also mitten im bedrohlichen Meer zusammen mit der Riesenkrake und ihren Fangarmen), gibt es noch zwei weitere tierische Symbole in mir. Wer hätte es gedacht, das eine ist eine Ratte. Ich denke an dieses Symbol, wenn ich mich motivieren möchte, wenn ich zur Ruhe kommen möchte. Wie will ich sein? Wie bin ich eigentlich ohne Krakenarme um meinem Körper? Emsig, sozial, gesellig, wachsam/aufgeweckt, schmusig, freundlich und neugierig. Letzteres ist besonders wichtig, denn das Fragenstellen und die Wissbegier sind starke Verbündete im Kampf gegen das Unbekannte, die Angst und die Unterdrückung – nicht naiv sein.

Aber man kann nicht immer freundlich und nett sein. Etwas was mir schwer fällt. Nein sagen. Selbstbewusst vor Anderen meine Meinung vertreten. Und vor Allem auch mal Knurren und Zurückbeißen, wenn man mich bedroht. Wer könnte das am Besten als ein Wolf? Der Wolf, der Kämpfer. Ein Wolf der nicht seinen Schwanz einzieht und selbstbewusst agiert.

Ich lese gerade „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés, und sie hat auf Seite 48 etwas Passendes geschrieben:

Wir bleiben menschlich, zivilisiert sogar, aber hinter unserer Menschengestalt steht ein hellwaches animalisches Selbst mit hochentwickeltem Instinkt, mit Reißzähnen, die, wenn nötig, zubeißen können, mit gut trainierten Stimmbändern zum Knurren und Aufheulen, mit unendlich weichem Bauchfell zum Kuscheln und einer schier unerschöpflich großzügigen Herzenswärme.

(c) Bildquellen: Foto 1 by adolfozee – Foto 2 unterliegt meinem Urheberrecht – Foto 3 by nikkiburr
Advertisements

4 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Hi Erbse,
    ich kann nur sagen, dass ich dich wirklich bewundere. Sowohl für deine Ausdauer bei deinem Kampf gegen deine Krankheit, als auch für deinen Mut immer mal wieder ganz persönliche Informationen mit uns zu teilen.
    Viele Grüße
    Jessi

    Jessi

    21. Juli 2011 at 17:44

  2. Hmmm…. mit der Ratte und dem Wolf (der Wölfin?) könnte man was Magisches machen, denke ich. Da sollte was möglich sein.
    Ich mag deine Vergleiche mit Tieren, die sind schön praktisch und präzise. Es ist leichter, gegen was zu kämpfen, was ein Gesicht hat.

    Eilan

    27. Juli 2011 at 09:37

  3. Ist das Buch nicht super, lese es schon eine ganze Weile, hab es dann mal wieder ne längere Zeit weggelegt und zur Zeit lese ich es wieder. Hilft mir über eine fiese Zeit hinweg und hat mich auch gut in meinen Entscheidungen bestärkt. Auch wenn es am Anfang erst mal schwer ist, ich denke die Früchte kann ich auch eines Tages ernten.

    Anne

    11. Februar 2012 at 23:08

  4. Hey,

    ach ich kenne das so gut…das Phänomen Soziale Phobie…sie hat mir bis zu meinem 23.Lebensjahr zu viel verwehrt…leider habe ich erst sehr spät das Schreien meiner Seele gehört…oder hören wollen… ich bin noch nie auf die Idee gekommen, den Dingen ein Symbol zu geben! Eine Riesenkrake ist wirklichlich das passendste Symbol…und sich so auch Mut zu machen und quasi in die Rolle anderer Lebewesen zu versetzen spornt mich an. Ich danke dir für diesen Gedanken und werde mich daran ausprobieren!

    Mauerblümchen

    14. Oktober 2012 at 12:03


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: