…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Fechten

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Selam Welt,

ersteinmal möchte ich mich für die aufmunternden Worte unter dem letzten Blogartikel bedanken. Das ist es, was man in solchen Situationen braucht und ich bin euch wirklich dankbar.

Die letzten zwei Wochen waren wirklich herausfordernd. Schwer zu meistern. Beeindruckend. Ich musste mich wegen vieler Momente in dieser Zeit mit dem Tod, dem Sterben und dem Verlust auseinandersetzen. Gespickt mit  Schicksalsschlägen. So perfekt dekoriert wie rosa-rote Zuckerkörnchen auf einem süßen Törtchen. Das Törtchen war der Tod. Das ist verwirrend, aber genau so fühle ich derzeit. Süßes und Bitteres, irgendwie vereint. Ich habe ab und zu vom Törtchen genascht. Das ist äußerst positiv zu verstehen.

Letzten Freitag habe ich es gewagt endlich mit Henrik und einigen Freunden zum traditionellen Schwertfecht-Verein zu gehen um zwei Probestunden mitzuerleben. Die Chance hatte ich schon mal. Musste aber kneifen. Seit über 5 Jahren habe ich keinen richtigen Sport mehr gemacht und selbst davor war es bloß der typische Schulsport. Diesen hatte ich gegen Ende sogar häufig nicht mal mitgemacht. Zu stark war die Angst vor Anderen Sport zu machen, irgendetwas mit meinem Körper zu machen. Die Panik verfolgte mich also auch letztens. Doch dann hab ich’s irgendwie gepackt. Wir waren dort. Und es machte Spaß. Es war verdammt anstrengend und mein Körper tat noch zwei Tage später weh. Aber die Menschen lügen nicht, wenn sie sagen Sport mache Glücksgefühle. Ich werde das nächste Mal wieder hingehen. Immer mit ein bisschen weniger Angst. – Der Verein war dieses Wochenende auf dem Kaiserfest in Fritzlar, ein Mittelaltermarkt. Da wir dort sowieso hin wollten, kam uns dies sehr gelegen.

Wir quartierten uns also neben dem Lager der Schwertfechter ein nachdem wir einmal über den ganzen Markt gingen und etwas aßen. Fallafel. Liebe ich. Ich fragte nach wegen tierischer Produkte in der Soße und/oder im Teig. Die Frau verneinte und betonte nochmals laut ihre Speisen seien vegetarisch. Ich vertraute dem natürlich. War ziemlich blauäugig. Vermutlich habe ich gestern also versehentlich eine Joghurtsoße gegessen. „Alles lactosefrei, keine Sorge.“ – Mhm… Mir ist mittendrin etwas übel geworden und so aß Henrik meinen Rest.

An sich war der Tag sehr schön. Viele unserer Freunde waren dort, der Markt war prima und die Schwertfechter boten ihren Zuschauern viel. Einzig und allein die Hitze war für mich unerträglich. Highlight sollte abends das Konzert der „Irrlichter“ sein. Eine mittelalterliche Frauentruppe. Wir freuten uns schon lange darauf. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon viele Stunden unterwegs. Irgendwie zu viele. Ich brauchte meine erste Pause. Und als das Konzert began hielt ich gerade mal 3 oder 4 Lieder aus. […] Henrik und ich hockten hinter einer Bude, neben Müllsäcken. Das Bild hätte nicht trauriger sein können. Die Menschenmenge und die Musik hörten wir nur noch leise… Er war sehr enttäuscht und irgendwie schaffte ich es in all‘ meiner Angst, in meiner Panik und auch in meiner eigenen Enttäuschung, ihm Kraft zu spenden. Oder zumindest es zu versuchen. Er hielt es nicht mehr aus, sodass wir bereits zum Auto gingen. Die Anderen würden bald folgen. Wir warteten gefühlte Ewigkeiten, die aber trotzdem nicht langweilig waren, da wir uns zu sehr mit dem Geschehenen beschäftigten. Ich hatte so Angst er könnte sauer auf mich sein. So bedrückt sah ich ihn lange nicht mehr.

Wir haben mittlerweile viel darüber gesprochen und auch gestritten. Es ist schwer für mich meine eigene Angst und Enttäuschung zu ertragen und gleichzeitig tottraurig zu sein, weil ich Henrik mal wieder etwas verbaut habe. Ihm geht es ähnlich, nur anders herum. Letztlich bin ich der Schuldfaktor und es ist nicht leicht für Andere zu differenzieren weshalb soetwas geschieht. Ich wollte uns nichts vermasseln. Ich wollte dabei sein. Ich wollte Spass haben. Aber ich konnte nicht. Keine Ahnung wie lange man eine solche Gradwanderung aushalten kann.

Es ist nur ein leichter Trost, dass die Band wegen Technikproblemen aufhörte zu spielen, kurz nachdem wir aufbrachen.

Ich könnte jetzt noch so viel schreiben, aber vermutlich würde ich damit die gerade heilende Wunde wieder aufreissen. Alles ok.

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Written by Erbse

22. August 2010 um 13:55

5 Antworten

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  1. Ich bewundere dich unheimlich dafür, dass du zu diesen Probestunden gegangen bist. Für mich wäre das (noch) undenkbar & ich hätte mich sicherlich davor gedrückt. Hut ab!

    Mieze

    22. August 2010 at 15:36

  2. Ich fechte seit knapp 1,5 Jahren mit dem Florett und muss sagen: Schwertfechten sieht wirklich cool aus! xD
    Mach es auf alle Fälle weiter! ;-)
    Und du darfst dich nicht so fertig machen! Du bist zu dem Festival gegangen, hast gefechtet, was gegessen und hast sogar 4-5 Lieder gehört! Du warst lange Zeit unter vielen Menschen. Und ich kenne Henrik nicht, aber er wird sich sicher mehr Sorgen gemacht haben, als dass er wütend auf dich gewesen wäre.
    Immer wieder kleine Schritte machen, bis du die Panik besiegt hast! Hauptsache, du gibst nicht auf.

    Raine

    22. August 2010 at 21:49

  3. mit einem episodischen Rückfall (?) kommt ein schwerer Rückschlag…
    ich hoffe, ihr beiden könnt produktiv damit umgehen. Der Guckloch-Einblick in eure Beziehung läßt nämlich eine solide Basis vermuten!

    Kathi

    24. August 2010 at 15:40

  4. Hey-ho Erbse!

    Das hier wird jetzt voll wie ein Stalker-Kommentar klingen, aber ich hab‘ dich (und Henrik -> vielmehr erst Henrik und dann dich) heute gesehen und habe seitdem das Bedürfnis dir zu sagen, dass du wirklich viel schöner aussiehst in der Realität als in deinen Videos (auch wenn du da auch gut aussiehst)!
    (Klingt das komisch wenn man das schreibt?!)
    Leider habe ich mich nicht getraut dich anzusprechen, aber ich hab‘ mich echt gefreut :D

    xoxo Cocorama

    Cocorama

    4. September 2010 at 19:42

  5. Hey (:

    Ja ich komme aus der Gegend (tummel‘ mich manchmal sogar in KS herum).
    Genau genommen hab‘ ich zuerst Henrik gesehen und dachte nur so:“Hö! Irgendwo haste ihn doch schonmal gesehen!“ Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen und dann hab‘ ich dich schon gesehen.
    Da saßet ihr gerade an einem dieser Tische (;
    Ich wollte schon nach nem Foto fragen (weil ich dich auch auf Grund des Veganismus ganz toll finde), aber ich hab‘ mich nicht getraut xD

    xoxo Cocorama

    Cocorama

    6. September 2010 at 17:20


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