…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Du wirst nicht…

with 11 comments

Liebe Mama,

ich wollte bereits viel eher schreiben. Aber ich fand die letzten Wochen keine Worte, spürte keine Kraft um mich dieser Aufgabe zu stellen. Normalerweise lachen wir einfach viel, schätzen unseren Galgenhumor. Du bist mal wieder krank.Was ist es denn diesmal, Mama?“ – Wir schmunzeln. Und diesmal sagst du nicht, dass alles wieder gut werden wird. Denn dieses Mal hast du selbst Angst und kannst sie nicht hinter deinem lachenden Gesicht verbergen. Diesmal fallen Worte wie „Krebs“, die mich erschlagen. Die mich in Stillstand versetzen und über die ich keinen richtigen Gedanken fassen kann, außer die Fetzen Verlust, Tod und Angst. Ich spüre, dass du genauso unsicher bist. Du weisst nicht wie du reagieren sollst, wir sitzen auf unseren Stühlen und suchen krampfhaft passende Worte oder Gesten. Aber alles bleibt leer.

Ich musste die letzte Zeit viel weinen. Du musstest viel weinen. Unser Scherzen kam nicht zurück. Bald hattest du deinen Operationstermin und mir war klar, ich würde dich nicht alleine gehen lassen wollen. Als wir uns wenige Tage zuvor sahen, schenkte ich dir mein gehäkeltes Herz. Ich sagte dir, ich habe eine Sorgenpuppe aus Guatemala in die Füllwatte gepackt. Und einen Sigille, eine Rune zu deinem Schutz. Ich stammelte. Und erklärte dir, dass dieses Herz mein Herz ist und du ihm alles anvertrauen kannst, was du dich sonst niemals traust zu sagen. Ich erkläre, dass ich all meine Liebe zu dir, liebste Mutter, in dieses Herz hineingearbeitet habe und ich nicht zulassen werde, dass es irgendwann ohne dich sein muss. Das ich irgendwann ohne dich sein muss. Wir umarmten uns. Deine Augen wurden feucht, bald liefen die Tränen wie kleine Sorgentropfen die sich nun lösten über deine Wangen. Ich flüsterte dir zu,… „Du sollst noch deine Enkelkinder und deren Kinder in die Arme schließen dürfen.

Noch am gleichen Abend erhielt ich eine E-Mail. Du warst der Absender. Ich weiss, es fällt uns schwer über Vergangenes zu sprechen. Doch diese elektronische Nachricht wie sie da auf meinem Bildschirm flackerte, flickte die Wunden meiner gebrochenen Seele und liebkoste sie wie es nur eine Mutter kann. Alles was sich aufstaute schien sich zu lösen wie ein Damm der endlich bricht und dem Fluss die Freiheit zurückschenkt. Zugleich schien ich irritiert, wie Jemand der eine erlösende doch so fremde Erfahrung macht. Jemand der das Neue entdeckt, zurückschreckt wie ein scheues Reh, sich aber kurz darauf darin suhlt und es nie wieder abwaschen möchte.

Ich verzeihe dir.

Du wirst niemals sterben.

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Written by Erbse

2. August 2010 um 11:08

11 Antworten

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  1. Sehr rührende Worte. Ich hoffe deine Mutter liest sie. Man spürt die Liebe darin.

    Ich habe die Situation auch schon hinter mir, dass bei meiner Mutter Krebs vermutet wurde. Sie hat es mir erst kurz vor der Biopsie erzählt da sie uns nicht beunruhigen wollte und selbst damit klar kommen musste.

    Als sie von der Arbeit anrief nachdem sie die Ergebnisse bekommen hat und es hieß, dass der Tumor gutartig ist, habe ich nur geheult. Selbst jetzt wo ich das schreibe kommen mir die Tränen. Ich kann deine Angst daher sehr gut nachempfinden und drücke deine Mutter und dir ganz arg die Daumen dass alles wieder gut wird.

    Fühl dich gedrückt

    MrsSuja

    2. August 2010 at 11:21

  2. Sehr schöne Worte, … schön gefühlvoll geschrieben … Meine Oma hatte vor Jahren sehr schwer Krebs… Denk einfach positiv, stärke deine Mom … Ich wünsche euch viel viel Kraft …
    Fühl dich umarmt, auch wenn wir sonst keinen Kontakt mehr haben, sind meine Gedanken auch bei dir …

    Anika

    2. August 2010 at 12:20

  3. auch wenn ich das alles ja jetzt nicht zum ersten mal höre, weil wir schon darüber gesprochen haben, so rührt es mich irgendwie jetzt trotzdem noch zu tränen, weil du es so wunderschön geschrieben hast!
    ich drücke dir und deiner mama weiterhin ganz fest die daumen, dass es weiterhin bergauf geht! *knuff*

    zombiekatze

    2. August 2010 at 15:11

  4. Mir kommen die Tränen.
    Ich weiß nicht was ich schreiben soll.
    Das tut mir Leid.

    RinaVera

    2. August 2010 at 17:21

  5. Mir gehen deine Worte im Moment sehr nahe, auch wenn deine Situation eine vollkommen andere ist.
    Meine Ma ist die wichtigste Frau, wenn nicht der wichtigste Mensch in meinem Leben und der Gedanke, dass sie irgendwann „weg“ ist, macht mir manchmal schwer zu schaffen. Letztens habe ich beim Aufräumen einen Zettel gefunden, den sie geschrieben hat in dem Jahr, als ich ausgezogen bin. Es war so ein „Mein Herz fühlt sich ganz komisch an.. wenn mir was passiert, sagt meiner Tochter, dass ich sie liebe“-Brief, sozusagen die letzten Worte. Die Zeilen entstanden vor 10 Jahren, fast auf den Monat genau. Es war wie ein Schlag in den Magen und ich konnte die Tränen nicht zurückhalten.
    Manchmal vergisst man, wie sterblich man eigentlich ist, wie sterblich andere sind.. wie zerbrechlich das Leben und wie unwiederbringlich..
    Manchmal lassen wir zu, dass die Vergangenheit (und die Erinnerungen daran) uns viel zu viel von der Zeit raubt, die wir mit unseren Liebsten haben..
    Warum vergessen wir immer, dass das Jetzt viel wichtiger ist, als das Gestern, das wir nicht mehr ändern können?

    Entschuldige den langen Text.. Leider kann ich mich nie kurz fassen.

    Ich wünsche dir und deiner Mutter alles Gute. Ich hoffe, ihr könnt jetzt Hand in Hand voranschreiten.

    BitterPearl

    2. August 2010 at 23:34

  6. Das hast du wirklich wundervoll geschrieben, auch mich hat es zu Tränen gerührt. Ich wünsche deiner Mutter alles Gute!

    hexengefluester

    2. August 2010 at 23:53

  7. Hallo Erbse

    Ich hab grad erst über Twitter mitgekriegt das irgenedwas nicht in Ordnung ist. Ich hoff dir gehts soweit gut. Leider kenn ich die Situation auch, meine Mum hatte Burstkrebs vor ein paar Jahren. Diese Hilflosigkeit werd ich nie vergessen. Sie gilt jetzt als geheilt, aber trotzdem bleibt die Angst bei jeder Kontrolluntersuchung irgendwie im Hintergrund, sowohl bei mir als auch bei ihr. Aber, sie lebt und ihr geht es gut auch wenn eine Brust abgenommen werden musste. Aufbauen lassen wollte sie nicht. Ich hoff bei euch geht auch alles gut aus, ich druck die Daumen hier in Dillich :)

    Liebe Grüße
    Ivonne von quasi nebenan

    Ivonne

    3. August 2010 at 09:17

  8. Du bist wundervoll! Und wo du herkommst, gibt’s sicher noch viel mehr solcher Liebe! Dieses wunderbare Herz hat das Immunsystem deiner Ma bestimmt gestärkt.
    Beste Genesungswünsche an Mama Erbse!

    Kathi

    3. August 2010 at 13:27

  9. Ich kann es sehr gut nachfühlen, da ich vor einigen Jahren in der selben Situation war.
    Aber soll ich dir was sagen?
    Es ist alles gut gegangen. Und bei deiner Mama wird es auch so sein!
    Und die Idee mit dem Herzen ist einfach wunderschön!

    Raine

    3. August 2010 at 16:35

  10. auch hier 2 fest gedrückte daumen!

    alles liebe für euch beide :-)

    gottagivethemhope

    5. August 2010 at 07:11

  11. ich drücke euch alle daumen und verfügbaren pfoten!

    lg
    AnnA

    AnnA

    15. August 2010 at 00:48


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