…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Mutter

with 7 comments

(c) http://immanuel.deviantart.com/Gerade bist du zur Tür hinaus. Du hattest eben noch die Klinke in deiner Hand. Und ich die gegenüberliegende in meiner. Wir schloßen gemeinsam die Tür und es war mir so, als ob es das Symbol für Klarheit wäre. Die Klarheit der Grenze zwischen uns und die Klarheit des Vergangenen. Wir sind im reinen.

Eigentlich wollten wir zusammen los. Wir wollten zusammen durch diese Türe gehen. Aber ich konnte nicht. Ich konnte nicht nach draußen. Und ich wusste nicht wie ich es dir sagen sollte. Ich war beschämt. Du würdest enttäuscht sein, vielleicht sogar sauer, dachte ich. So wie früher. Als du mich nicht verstanden hast, als wir uns noch nicht verstanden haben. Ich sprach es aus. Zögerlich und ohne dich dabei anzusehen. Mit ganz leiser Stimme die gleich einen Hieb erwartet. Ein Kopf der sich automatisch etwas duckt, klein macht. Ich sah dir in die Augen. Du sahst mir in die Augen. Die wenigen Sekunden waren Jahre für mich. Ich wusste nicht was passieren würde. Für was du dich entscheiden würdest. Deine Tochter in den Arm nehmen… oder?! Ich hatte Tränen in den Augen, doch noch kullerten sie nicht. Mein Blick wanderte zu Boden, suchte ein anderes Thema. Für einen Moment dachte ich, dass ich mich irgendwie zwingen müsse hinaus zu gehen. Um dich nicht zu verletzen. Um dir eine gute Tochter zu sein. Ich lenkte vom Thema ab. Doch in der Küche trafen wir uns wieder. Ich nahm dich einfach in den Arm. Weinte. Und sagte unter Tränen, dass ich nicht kann. Du warst ganz sanft. Hast mir den Rücken gestreichelt. Du hast dich verändert. Wir sind groß geworden.

Mein Körper fühlt sich wie ein einziger Wattebausch an.

Ich danke dir für alles. Ich hab‘ dich lieb.

Now I’m still a child but no one tells me no.“ – Unbekannt

now i’m still a child but no one tells me no
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Written by Erbse

1. Juli 2010 um 13:18

7 Antworten

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  1. *schluck*

    Tinka

    1. Juli 2010 at 18:30

  2. „Mein Körper fühlt sich wie ein einziger Wattebausch an.“
    Solch ein Gefühl kenne ich. Es ist ganz merkwürdig und nicht richtig zu beschreiben. Ich sagte immer, dass es sich anfühlt als wenn ich in Watte eingepackt wäre oder sogar mein Körper aus einem ählichem Stoff besteht, so schwammig und undefiniert. Bloß fühle ich es nicht wenn es mir gut geht, im Gegenteil. Es fühlt sich skuril an.
    Es freut mich, dass du solch eine schöne Erfahrung machen durftest. Aber beschreibt das Bild im Post dann nicht mehr die Vergangenheit?

    Liebe Grüsse, Rina

    RinaVera

    1. Juli 2010 at 19:30

  3. Ich lese seit ca. 2 Wochen deinen Blog. War alles ein großer Zufall, denn eine Freundin erzählte mir, ich solle doch mal die YT Videos und den Blog anschauen, weil du wohl auch vegan lebst. Dann fand ich deinen persönlichen Blog und war erstaunt, weil wir viel gemeinsam haben. Ich habe selbst damals die Schule abbrechen müssen. Alles wegen meinen psychischen Störungen. Unter anderem leide ich auch an einer Angststörung mit Panikattacken und Angst vor Menschen. Ich hole mittlerweile auch alles über eine Fernschule nach und kämpfe noch immer mit großen Rückschlägen und starken Attacken.

    Ich wollte dir schon vor 2 Wochen schreiben, schaffte es aber nicht und kam gar nicht zur Ruhe. Jetzt las ich eben diesen Eintrag und mir kamen die Tränen, denn es ist genau wie bei mir.

    Ich habe jahrelang kämpfen müssen, um meiner Mutter meine Krankheit verständlich zu machen, um auf Akzeptanz zu stoßen und nicht immer mit ihr zu streiten. Wir sind mittlerweile auch an diesem Punkt. Es ist noch nicht optimal, aber besser.

    Was mich am meisten berührt und was mich schon beim ersten Lesen deines Blogs zum Weinen brachte ist die Tatsache, dass ich sehr darunter gelitten habe, niemals Menschen meines Wissenstands und mit meinen Interessen gefunden zu haben, die in einer ähnlichen Situation stecken wie ich und ihre Emotionen auch gut in Worte fassen können. Ich dachte mir dann immer, dass es doch nicht sein kann und da noch mehr ambitionierte und schlaue Menschen sein müssen, die auch alles abgebrochen haben, weil sie unter dieser Krankheit leiden. Es hat mich regelrecht verzweifeln lassen. Aber als ich deinen Blog entdeckte, berührte es mich und es gab mir Hoffnung.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ich würde mich freuen, wenn du dich vielleicht mal melden würdest. Ich würde aber auch gut verstehen, wenn dir das zu viel wäre.

    Liebe Grüße,
    Mona

    Mona

    3. Juli 2010 at 17:37

  4. krass! Das kann doch nicht sein, jetzt ist auch noch deine mutter gestorben??? das tut mir so leid, erst henrik und jetzt deine mutter… Ich wünsch dir ganz viel kraft!!! knuff

    Lena

    6. Juli 2010 at 19:02

  5. Wow…deine Worte berühren mich so tief und ich merke das ich am Leben bin. Danke Erbse! Danke für die winzigen Tränen die diese Gefühle in mir auslösen! Eine Mischung aus Glück und NAchdenklichkeit!

    Mone

    7. Juli 2010 at 14:25

  6. Niemand ist gestorben. ;) Bitte setze keine derartigen Gerüchte in die Welt.

    Erbse

    8. Juli 2010 at 09:36

  7. Dieses Erlebnis war sicher eine kleine erleichterung gegenüber diener Mutter…ich musste grade an meine situation denken die ich vor ein paar Wochen mit ihr hatte…die gefühle und ängste die mutter zu enttäuschen.
    Ich hab dich furchtbar lieb. :)

    Tine

    11. Juli 2010 at 23:59


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