…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Offline im Leben

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Selam Welt,

der letzte Blog-Eintrag ist eine gefühlte Ewigkeit her. Ziemlich rar habe ich mich gemacht, aber so allmählich ist die Grippe ausgestanden und ich finde mich wieder ein. Die letzten Wochen liefen erstaunlich gut, auch wenn sie voller kleiner Hürden waren, die ich mehr oder weniger heile überwunden habe. – So haben wir zum Beispiel kürzlich im gesamten Haus eine riesen Party mit lauter unbekannten Menschen gefeiert. Unsere Wohnung war davon allerdings ausgenommen, der Tiere wegen… und wegen mir, um ehrlich zu sein. Fremde Leute in meiner Wohnung, in meinem Heiligtum? – Nein, bitte nicht. Nur wenn ich sie einlade. Und nicht in diesen Massen. Ich betrachtete diesen Abend meine Wohnung also als privaten Rückzugspunkt, wie immer. Nötig war er aber nicht, da ich mir ziemlich viel Mut während der Party angetrunken habe. – Wen man da alles so kennenlernt… Wahnsinn. Einen Tag später habe ich mit Henrik eine Art ultimative Liste erstellt, wie man am Besten eine Party sprengt. Einen der obersten Plätze habe ich diesen Abend belegt, in dem ich beiläufig erwähnte, dass ich mich vegan ernähre. Die Menschen um mich herum, wurden erst für wenige Sekunden komplett still, bis sie dann alle auf einmal anfingen auf mich einzureden. Mit Rechtfertigungsversuchen. Oh ja. Sie erklärten mir, weshalb sie so leben wie sie leben. Und redeten etwas von Bio und Milch ohne Gentechnik. Danach gefragt habe ich aber nicht. Gegen Ende wollten sie dann noch eine Bekundigung meinerseits, dass ich kein „intolerantes Arschloch“ bin… wer weiss, was passiert wäre, hätte ich wirklich ausführlich erklärt was ich denke. Aber so habe ich die Party dann doch nur halb gesprengt und ein paar Menschen verwirrt. Die schwarze Weste haben sie sich allerdings von alleine angezogen. Irgendwie amüsant, was so eine kurze Randbemerkung für Auswirkungen haben kann. Das wollte ich tatsächlich nicht provozieren.

Am nächsten Tag fing meine Grippe an. Meine Dreh- und Blogpause sozusagen. Ich fühlte mich schon fast selbst verschollen, so ganz ohne auslebende Internetidentität. Betrachten wir das mal mit einem Zwinkern und legen es zur Seite. ;) So verbrachte ich viele einsame Stunden mit den Katzen im Bett, war wehleidig, jammerte viel, so wie es meine Erbsennatur ist. Hin und wieder raffte ich mich auf um den Kreislauf zu stabilisieren. Aufrechtsitzend am PC Civilisation 4 spielen… und zwar die ultimative Lieblingsmodification: Fall from Heaven IIMeine Fresse, ich rutschte von einer Sucht in die nächste.

Letzten Freitag dann war ich wieder im echten Leben. Rattennotfall. Eva und ich hörten nur von einem Böckchen, zwei Mamis und somit zwei Würfen. Alarmglocken! Letztendlich sind neun Babys übrig. Einige sind beim Vorbesitzer verstorben, zwei wurden viel zu jung verschenkt. Diese armen Wesen. Das Böckchen sitzt nun hier. Seymour haben wir ihn getauft. Seymour sucht ein zuhause. Eva beherbergt die Mamas mit den Babys, wovon die Jungs kurz vor der Geschlechtsreife zur Vermittlung zu mir ziehen dürfen. Fotos und mehr Informationen diesbezüglich gibt es aber dann wie immer auf unserem RN-Blog. http://www.rattiges-nordhessen.de

Gestern dann eigentlich der krönende Abschluss. Konfirmation in der Heimat meiner Eltern. Zum Glück keine Verwandtschaft, sondern nette Familienfreunde. Das war in Ordnung. Ich habe es sozusagen überlebt. Auch wenn ich heute ziemlich geschafft bin. Alle waren herzlich, ich war super nervös, aber das hat Niemand bemerkt. Der Dorfpfarrer kam auch vorbei… ein schräger Typ. Eher im negativem Sinne. Er bot den Konfirmanden tatsächlich Absinth aus Rumänien an. Holla. Was soll ich dazu sagen. Die grüne Fee hat in den Köpfen von 14jährigen einfach nichts verloren. Wirklich wirklich nichts. – Ich möchte jetzt nicht zu blaspehmisch werden, deshalb halte ich lieber die Fingerchen still. […] Zu Futtern gabs für die Veganerseele jedenfalls nicht viel. Mittags habe ich mich von Kroketten ernährt, ansonsten war alles mit Tier überzogen. Das Gemüse tauchte in einem See von Sauce Hollondaise, aus ganz viel Muh und ähnliche vegane Katastrophen. Aber ich habe mich selbstverständlich nicht beschwert, immerhin war ich der Freak und nicht die Anderen. – Nachmittags gab es dann natürlich Kaffee und Kuchen. Ich blieb‘ bei Wasser und meiner selbst-mitgebrachten/gebackenen Erdbeertorte. Diese weckte auch die Neugier der anderen Gäste und ich hoffe ich konnte mit dem Vorurteil etwas aufräumen, dass Veganer sich nur von Licht und Salat ernähren. Abends jedoch fiel das Kind dann allerdings immer tiefer in den Brunnen. Ich fastete bis ich wieder zu Hause war. „Ahle Wurscht„, Fleisch, Käse und Ei mit Brot.

Na ja, dafür war der Schnaps in Ordnung.

Mich deucht, das Größt bei einem Fest/ Ist, wenn man sich’s wohlschmecken läßt.” – Johann Wolfgang von Goethe

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Written by Erbse

12. April 2010 um 22:01

7 Antworten

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  1. Ist immer wieder interessant, wie kleingeistig doch manche sind. Die Person, die dich als intolerant bezeichnet, kann wohl selber neimanden tolerieren, der nicht genau seine Meinung teilt. Dabei bist du doch eben nicht so, sonst hättest du dich erst gar nicht zu den „nicht-veganern“ gesetzt.

    Mäh

    13. April 2010 at 07:32

  2. Immerhin gab es keinen Eierlikör!
    Und, sagt sich vielleicht einfach: Aber zieh dir doch den Schuh nicht an du hättest was gesprengt! Das ist doch Schwachsinn, du kannst doch nichts für die niedrigen Akzeptanzgrenze der Menschen!
    Grüße
    Tinka

    fewaluer

    13. April 2010 at 09:22

  3. ich komm mir auch immer voll fehl am platze vor wenn ich irgendwo eingeladen bin und dann mein mitgebrachtes zeug esse. obwohl das eigentlich für alle beteiligten das beste ist.
    sie haben keine umstände und ich muss mir keine sorgen um die veganität machen.

    Mausflaus

    13. April 2010 at 18:37

  4. ich mag jetzt garnicht viel sagen, nur…

    …Ich hab dich vermisst <3

    ZimtPorridge

    13. April 2010 at 18:43

  5. Mir haben deine Beiträge auch gefehlt. :)

    Nina

    14. April 2010 at 08:08

  6. „Ahle Wurscht“ ^^
    Hab den Begriff nach einem Umzug nach Mittelhessen vor zig Jahren ewig nicht gehört, fühlte mich aber an meine Kindheit erinnert.

    Constanze

    14. April 2010 at 22:16

  7. Das Interessante ist: Daran, dass sich die ganzen Menschen gerechtfertigt haben, ohne, dass du gefragt hättest.. ohne, dass du etwas provozieren wolltest.. kann man sich doch ausmalen, dass sie selbst ihr Verhalten auch nicht toll finden.. oder? Wenn ich mein Verhalten ok finde, brauche ich kein „schlechtes Gewissen“ zu haben..
    wer sich allerdings rechtfertigt, ohne gefragt oder „herausgefordert“ zu werden, der hat definitiv ein schlechtes Gewissen.

    ManuJosy

    1. Mai 2010 at 22:45


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