…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Pudelwohle Menschenwohligkeit

with 4 comments

Selam Welt,

derzeit befinde ich mich in einer Art metaphorischem Stadium. Mehr oder weniger weit abgeschlossen. In einigen Bereichen voll aufblühend, in anderen wie immer absolut abkackend. Letzteres ist ein sehr gewaltiges Wort, wie ich finde. Ein saloppes „abkacken“. Einerseits amüsant, aber auch einfach treffend. – Körperlich gehts mir mittlerweile etwas besser, die Nierenschmerzen sind fast weg und zerren nur noch selten an meiner Kraft. Beschäftigen wir uns heute also ausnahmsweise mal mit den positiven Dingen. […] Die allerdings aus negativen Dingen resultieren, wie soll’s auch anders sein?! Das ist eine rethorische Frage. – Kürzlich verstarb Damla, was mich ziemlich aus der Bahn warf. Sie war einfach mein Liebling, erinnerte mich an die Rudelchefin Betty und oft hatte ich das Gefühl sie in ihr wiederzuerkennen. Sie lag tot im Käfig mit einer geöffneten Bauchdecke. Was genau geschah kann ich nicht sagen. Es muss wohl ein Abszess gewesen sein. Einige Spuren deuteten daraufhin, dass sie sich an dieser Stelle das Fell rupfte und nekrotisches Gewebe entfernte. Es gab keine Anzeichen dafür, leider. Bei ihrer Schwester Didem entdeckte ich kurz darauf einen Tumor unter dem rechten Arm. Nicht unüblich in diesem Alter und auch noch relativ klein, da frühzeitig entdeckt. Das tägliche gründliche Abtasten macht sich stets bezahlt. Ich entschied mich sie operieren zu lassen, trotz der Angst um ihr Leben. Die Narkose nimmt ein so kleines Tier ziemlich mit. Eigentlich. Denn sie ist, trotz ihrer knappen zwei Jahre, überaus schnell wieder auf den Beinen gewesen, ruft nach Beschäftigung, drängt quengelt wie ein kleines Kind, geparkt im Laufstall. Ich bin so wahnsinnig erleichtert. […] Nun aber zum Positiven an dieser Geschichte… ich war ewig nicht mehr bei meiner Tierärztin. Wirklich ewig. Ewig in Relation zu sehen, da ich zu Hochzeiten über Monate 1-4 mal die Woche da war. Plötzlich nichts mehr. Ich hatte nur noch junge Tiere hier, die alle gesund sind oder alte die ohne ersichtliche Krankheiten an Altersschwäche verstarben, Damla ausgenommen. Ein Sozial-Phobiker kann sich vorstellen, was es für ein Problem für mich darstellte wieder das erste Mal die Praxis zu betreten. Zu lange war ich diesen Weg nicht mehr gefahren, zu lange habe ich die lieben Gesichter der liebevoll genannten Frau „Droggelbecher“ und der Frau Dr. D. nicht mehr gesehen. Ich hatte grausame Angst. Wie würden sie reagieren? Würden sie mich wiedererkennen? – Letztlich sind das natürlich Banalitäten und gute jahrelange Hardcore-„Kunden“ erkennt man natürlich wieder… aber die Furcht war da. Sie saß mir im Nacken, riss an meinen Haaren, zwängte sich in meinen Bauchnabel, zog an meinen Zehen, hielt mir die Nase zu,… […] Ich habe lange überlegt, lange mit mir gekämpft und kam zum Entschluss nicht alleine hinfahren zu können. Letztlich auch im Sinne der Ratte, das Wetter war ja nicht gerade das angenehmste. N. fuhr mit mir hin. Einfach so. Ich glaube sie kann sich gar nicht genau ausmalen was sie für eine Stütze für mich in diesen Momenten war und auch nicht wie dankbar ich ihr bin. Gerne würde ich es ihr so direkt sagen, aber das traue ich mich nicht. Was würde sie denken, wenn ich sie plötzlich mit solchen Gefühlen konfrontiere? Zu sehr habe ich Angst vor Ablehnung. – Schon wieder vergesse ich das Positive an dieser Sache hervorzuheben: Ich habe es geschafft! Und einen Tag später war dann auch schon die OP, wo ich ganz alleine in der Früh hin und zurück fuhr und am Abend zusammen mit Henrik die erschöpfte Didem wieder abholte. Zugegeben ich brauchte danach erstmal eine lange Pause, aber ich habs gepackt. ;) – N. wird mir zudem immer vertrauter und das mag ich. Freundschaft ist so etwas bedeutungsvolles, besonders wenn man von vorne herein ehrlich ist und nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, mit der Wahrheits-Keule („Ich bin Sozial-Phobikern und depressiv, tut mir Leid. Ich wollte dich nicht verletzten.“) zu schwingen beginnt. Danke, liebe N., dass du mich so akzeptierst wie ich bin. Ich weiss, du denkst wahrscheinlich… dass dies doch selbstverständlich ist, aber nein, ich sage dir… dass es das ganz und gar nicht ist. […]

Positiv-Punkt Nummer Zwei. Ein kleines Vegan-Update. Ich fühle mich pudelwohl, auch wenn ich nicht genau weiss, wie sich ein Pudel wohl so fühlen mag. Ich nehme an dieses Wort stammt vom typischen „betüddeln“ eines frisierten Pudels mit Schleifchen im Haar und güldenem Himmelbett als Körbchen. Auch wenn das sicher nicht das ist was ein Hund sich wünscht… aus menschlicher Sicht scheint dieses Wort zu ziehen. Sagen wir einfach ich fühle mich als Veganerin „menschenwohl“. Vermutlich mampfe ich immer noch zu viele Süßigkeiten, wenn auch vegan, aber immerhin ohne schlechtes Gewissen diesbezüglich. Bezüglich meinen Kilos allerdings mit schlechtem Gewissen. Der lässt mich auch einfach nicht mal in Ruhe. – Ja, ich habe mich schon so sehr an das vegane Essen gewöhnt, dass ich gestern fast zu einer mitgebrachten unveganen Käsestange (dieses Knabberdingens) gegriffen hätte. Einfach weil ich so ein Urvertrauen bezüglich der Nahrung in meiner Wohnung bekommen habe. „Die liegt in meinem Haus. Die ist vegan.“ – Automatischer Ablauf. Ausnahmen bildet da nur die Kühlschrankabteilung wo Henriks Fleisch lagert. Ich bin froh darum.

Ich fühle mich menschenwohl.

„Alles hat zwei Seiten, und davon ist mindestens eine positiv.”Bernd Hansen

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Written by Erbse

20. März 2010 um 20:51

4 Antworten

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  1. Schön geschrieben :)

    Yasmin

    20. März 2010 at 20:58

  2. Schön zu hören, dass es dir gut geht! Wollen wir wetten, N. hatte ebenfalls eine gute Zeit? LG, Kathi

    Kathi

    22. März 2010 at 11:40

  3. das Foto ist hübsch, trotz alberner Pudelmütze ^^ auf deinem Profilbild sieht man gar nicht dass du so schöne große Augen hast

    Mausflaus

    22. März 2010 at 18:07

  4. danke für deinen lieben eintrag :)
    ich find dein bild spitze! hast du das mit fotoshop bearbeitet? total lustig ;-)

    Judy

    22. März 2010 at 23:06


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