…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Veganköstler 1.0

with 7 comments

Hello Sunshine,

heute ist, glaube ich, ein ganz guter Tag. Madame ist relativ zeitig für einen Sonntagmorgen aufgestanden, hat sich brav zurecht gerückt, die Ratten wieder ins Rattenzimmer umgesiedelt (ja, sie sitzen nun endlich alle zusammen), aufgeräumt, Sojamilch-Kakao geschlürft, ein Foto von mir als „Betty Geröllheimer“ rausgesucht, letztendlich mit Henrik via Tischgrill ein paar Kleinigkeiten zubereitet um nun hier zu sitzen und sagen zu können, dass alles bisher ganz gut lief. – Letzte Nacht habe ich damit verbracht eine vegane Einkaufsliste zu erstellen. Dafür musste ich ziemlich viel recherchieren, aber es hat sich gelohnt, zumal mir auffiel, dass wir bereits ziemlich viele vegane Produkte in unser Leben integriert hatten. Man glaubt ja anfangs gar nicht was in einem normalen Supermarkt alles essbar ist. „Veganer essen nur Luft und Gras.“ – Nieder mit dir dummes Klischee! […] Ich schätze für Henrik ist die vegane Kost allerdings alleinig nichts, weshalb ich stark davon ausgehe, dass er sich wie gehabt hin und wieder mal ein Schnitzel in der Pfanne zubereitet. Aber das ist in Ordnung für mich. Wir kennen uns nun schon so lange ganz genau, schätzen und lieben uns so sehr, dass wir uns mit noch so unterschiedlichen Facetten einig werden können. Ich glaube, wir haben gemeinsam auch viel Schwerwiegenderes zu meistern als das. Sprechen wir also nicht weiter drüber.

Nun, auf jeden Fall grenzt der Anfang des „Veganköstlertums“ schon ein wenig an Bürokratie. Lesen, lesen, lesen & informieren, informieren, informieren. Am Schwierigsten wird es für mich wohl, auf den Käse zu verzichten. Jahrelang gab es nichts Besseres als ein Stück gut gewürzten Feta-Käse, eingerollt als Zigarren-Börek. Ich werde wohl oder übel viel experimentieren müssen um einen guten Ersatz zu finden, aber das ist es mir wert. Einfacher war es da schon bei der Milch. Seit meiner frühsten Kindheit war der Kuhmilch-Kakao mein Wachmacher am Morgen. Jeden Morgen. Als ich irgendwann vor etwa vierzehn Jahren auf Fleisch gänzlich verzichtete und somit zur Vegetarierin wurde, wurden es immer mehr Milchprodukte die ich zu mir nahm, bis ich irgendwann merkte, dass mir die allmorgendliche Milch mit Kakao nicht mehr sonderlich gut tat. Ja, mir scheint als hätte ich den Anflug einer Intoleranz. Im Moment ist mir das ziemlich recht, denn Kakaopulver in Sojamilch schmeckt mir mittlerweile sogar besser. Adieu Kuhmilch, adieu Bauchschmerz!

Man könnte meinen ich müsste mich zur veganen Kost ein Stückweit zwingen. Nein, so ist es nicht (mehr). Ich habe gemerkt wie schlecht es mir mit tierischen Produkten geht und das Gefühl davon los zu sein, ist mir der größte Lohn, sodass sich die Umstellung nicht im Geringsten wie Selbstzwang anfühlt.

Die größte Hürde werden in Zukunft wohl die (fremden) Menschen um mich herum sein. Ich weiss immer noch nicht wie ich es meinen Eltern erklären soll, ohne dass ich mir anhören darf, wie ungesund eine vegane Ernährung doch sei. Persönlich bin ich der Überzeugung, dass ich jahrelang, trotz Verzicht auf Fleisch, viel ungesünder gelebt habe als jetzt und später. Manchmal möchte man gar nicht glauben, was ich als Vegetarier oft für einen Mist gefuttert habe. – Das kürzliche Telefonat mit meiner Mutter bereitete sie schon mal ein wenig darauf vor. Ich erwähnte keinen ethischen Grund, sondern erzählte ihr von den Bauchschmerzen, die ich von Kuhmilch bekomme. Ich erzählte ihr auch, wie schwierig es sei Produkte ohne Kuhmilch zu finden und gemeinsam regten wir uns sogar darüber auf, worin überall mittlerweile Ei oder Kuhmilch zu finden ist. Darauf den Sonntag brachte sie mir überraschenderweise sogar  Sojamilch mit. Ob ich es auf dieser Schiene vorerst belassen sollte und die ethischen Hintergründe ersten mal nach hinten schiebe? […] Bezüglich meiner Freunde mache ich mir aber zum Glück weniger Gedanken. Durch meine psychische Erkrankung teilte sich die Spreu längst vom Weizen. Ich weiss, dass meine Freunde mich so akzeptieren wie ich bin, genau so wie ich sie auch akzeptiere wie sie sind.

Ich denke es wird noch viel Zeit vergehen, bis ich mich ohne großen Aufwand ganz selbstverständlich vegan ernähren kann, ohne ständig irgendwo nach irgendwelchen Inhaltsstoffen blättern zu müssen. Jedoch…

Was macht man nicht alles für ein reineres Gewissen?

Ethik kann so wenig zur Tugend verhelfen, als eine vollständigt Ästhetik lehren kann, Kunstwerke hervorzubringen.“ – Arthur Schopenhauer

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Written by Erbse

7. Februar 2010 um 16:13

Veröffentlicht in Ohne Kategorie, Vegan

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7 Antworten

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  1. Als Veganer hat man sich leider immer zu rechtfertigen. Es ist zwar nicht ungesund sich vegan zu ernähren, aber sehr teuer, wenn man sich ausgewogen ernähren möchte, was man auch muss.
    Manche wissen nun mal nicht, was alles dazu gehört und folgen vielleicht einfach einem Trend, insofern kann ich die Sorge dahinter verstehen.
    Ich schätze, wenn du es deinen Eltern sachlich unterbreitest und ihnen vielleicht ein paar Unterlagen zeigst, damit sie sehen, dass du dich genügend informiert hast, werden sie es verstehen.

    Ich habe letztens von einer Freundin gehört, dass Kuhmilch nur in der Kindheit gesund ist und im Erwachsenenstadium bei zu häufigem Genuss eine Intoleranz verursacht.

    Ry

    7. Februar 2010 at 16:24

  2. Hallo Ry,
    vielen Dank für deinen Beitrag. :)
    Nun, ich denke, wenn man gewillt ist ziemlich viel selbst zuzubereiten wird die vegane Ernährung gar nicht so teuer. Dafür investiert man natürlich einen großen Teil Zeit, der vielleicht an anderen Ecken fehlen könnte. Ich habe mir zudem ein Vitamin B12-Präperat bestellt. Hab‘ ich auch schon vorher nötig gehabt.
    Was meine Eltern betrifft, ist die Sache leider etwas komplizierter. Ich hatte bereits mit acht (!) Jahren starke Probleme mit ihnen, weil ich plötzlich auf Fleisch verzichtete, damals natürlich noch nicht aus genau den gleichen detailierten Gründen wie jetzt. Die Diskussionen hörten auch Jahre später nicht auf, als ich längst gute Argumente für mein Verhalten liefern konnte. Meine Eltern sind in dieser Hinsicht leider resistent und in gewissem Maße intolerant. Die vegane Ernährung ist für Beide nur noch die Spitze auf dem Eisberg.
    Ich weiss also noch nicht so recht, wie ich diesbezüglich damit umgehen soll.

    Lieben Gruß,
    Erbse

    Erbse

    7. Februar 2010 at 16:31

  3. Hallo Erbse, spannend zu lesen dein Abenteuer. Am Anfang ist es vielleicht noch etwas mühselig sich „seine“ veganen Lebensmittel zu suchen, mit der Zeit bildet sich aber ein gedanklicher Lagerbestand und der wächst und wächst. Gesünder ist es allemal, von Grund auf zu kochen, aber es gibt auch immer mehr Fertigprodukte die vegan sind, wohl eher zufällig. Kennst du schon http://www.rezeptefuchs.de ? Die listen veganes Zeug was sie recherchiert haben, also Sachen die in Supermärkten und Discountern zu bekommen sind. Ich habe über die Seite schon einen Nougat gefunden, und Sojaeiscreme am Stil.

    Freut mich dass du dir schon B12 besorgt hast, hast du auch schon Arame und Vitamin D? Meinen Crashkurs vegane Ernährung in 10 Punkten kennst du sicherlich schon. Wenn du die Infos dort verinnerlichst, brauchen sich auch deine Eltern überhaupt keine Sorgen zu machen.

    Das „Freunde“ gehen ist ein Fakt des Lebens. Mit der Zeit wirst du bestimmt auch etwas Toleranz entwickeln für Leute die mit bestimmten Dingen einfach nicht umgehen können, auch wenn sie dich mit ihrer Abkehr von dir erstmal verletzt haben. Letztendlich steht denen noch bevor woran du schon „arbeitest“…

    Das mit deinen Eltern ist schon in Ordnung so, mach es genau so wie es für dich am angenehmsten ist. Mit der Zeit kommt auch das Selbstbewusstsein, in dem Moment wo du dein Vegansein als deine Kultur akzeptiert hast. Dann ist es leichter diesen Umstand in das eigene, soziale Netzwerk zu integrieren. Du bist nicht verpflichtet vor Jemanden Rechenschaft abzulegen oder den Erklärbär für jemanden zu machen. Wenn eine Frage kommt und du hast keine Lust, dann sag einfach dass du im Moment keine Lust hast darüber zu sprechen! Kommt immer gut an.

    Danke übrigens für die SMS, das war sehr lieb von dir. Inzwischen bin ich wieder zuhause und hab den Fuß hoch liegen auf dem Bügelbrett, während ich netze:-))

    Ava Odoemena

    8. Februar 2010 at 15:56

  4. Ich finde es cool das Menschen auch auf Fleisch etc. verzichten können, habe das mal vor Jaaaahren selbst ausprobiert und bin leider gescheitert, durch meine Laktose Intolleranz muss ich eh immer darauf achten was ich esse, man glaubt gar nicht wo überall das Zeug drin ist… Bei dir waren es zum Glück nur Bauchschmerzen, bei mir läuft das leider viel schlimmer ab xD, irgendwann muss ich dir mal die Story von dem Test und meinen Werten im Krankenhaus erzählen *lachen muss*. Nun ja, wenn ich nun auch noch auf Fleisch verzichten würde, oder auf Ei, was bleibt einen da noch groß übrig? Also in meinem Fall nur noch Gemüse, Obst, Marmelade (für das morgentliche Brot) un Zerialien (oder wie man das schreiben möchte ^.^!) Vollkornprodukte vertrage ich leider auch nicht so toll :( … Seufz und das ganze Bio Zeug ist so verdammt teuer !!! Wir haben nen coolen Laden in der Innenstadt der nur Bio Sachen vertickt, aber die Preise !!! Oh je sag ich dir da!

    Anika

    8. Februar 2010 at 23:00

  5. Hallo Ava,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Es ist immer schön von dir zu lesen.
    Der Rezeptefuchs war die letzten Tage fester Bestandteil meines täglichen Internetkonsums. Vielerlei Produkte habe ich mir rausgeschrieben, teilweise auch einige, die ich sowieso bereits wöchentlich eingekauft habe. Meine Umstellung war/ist also zum Glück gar nicht so groß ausgefallen.
    Morgen steht das “Elternproblem“ vor der Tür. :) Ich fahre sie besuchen und werde mit ihnen meinen Tag verbringen, auch dieses Thema ansprechen. Da sie mir gerne etwas Gutes tun und uns in finanzieller Hinsicht gerne mal mit einem Einkauf unterstützen, habe ich vorrausschauend eine kleine Einkaufsliste mit veganen Supermarkt-Produkten angefertigt. Diese werde ich meine Mutter während einer intensiven Vorbereitung in die Hand drücken. Was mir im Moment Sorgen bereitet ist das Mittagessen. Wenn ich das verweigere wird sie sicher sauer werden und auch nicht mehr bereit für ein vernünftiges Gespräch sein. Ich verneine Fleisch nun ja schon viele Jahre, daran hat sie sich mehr oder weniger gewöhnt… aber der Rest? Ich mache mir ziemlich viele Gedanken und sollte es womöglich einfach auf mich zukommen lassen.

    Was Arame und Vitamin D betrifft mache ich mich derzeit noch schlau. Ich versuche ziemlich viele Quellen ausfindig zu machen und dein Blog hilft mir ungemein dabei.
    Derzeit suche ich nach tollen Saucen-Rezepten und schreibe mir auch schon einige raus. Nicht nur wichtig für mich, sondern auch sehr für Henrik. Wenn es dem nicht schmeckt, dann kann ich mir sicher in einigen Monaten anhören wie “blöd“ vegane Ernährung doch ist. :) Aber ich vertraue bisher auf meine Kochkünste. Heute gabs zum Beispiel eine leckere Seitan-Pfanne, die hat er verschlungen und nach mehr gefragt. Danach meinte er ganz unverblümt mit einem Grinsen im Gesicht, ich sei schräg und sei schon immer schräg gewesen.
    Hast du zufällig eine Ahnung ob man ohne weiteres überall Hefeflocken kaufen kann? Danach habe ich noch nie gesucht, aber ich brauche doch hin und wieder einen käseartigen Ersatz.

    Liebe Grüße und danke für deinen sehr informationsreichen und auch hin und wieder sehr humorvollen Blog!

    Erbse

    8. Februar 2010 at 23:17

  6. Also Hefeflocken kenne ich eigentlich nur vom Bioladen oder Reformhaus, aber auch gut sortierte Supermärkte haben ein Bioregal und dürften da auch Hefeflocken verkaufen. Schwieriger zu bekommen ist eher, eine Marke zu finden die dir schmeckt, die Geschmacksunterschiede sind teils erheblich.

    Quellen zu Vitamin D sind im neuen Blogeintrag gelistet, der hier: http://wp.me/pHXhh-cd , die Kapazitäten auf dem Gebiet sind z. B. Vieth und Holick.

    Viel Spaß mit deinen Eltern, hoffentlich läuft alles glatt:-)

    Ava Odoemena

    9. Februar 2010 at 15:18

  7. Es ist zwar nicht ungesund sich vegan zu ernähren, aber sehr teuer

    Im Gegenteil, ich habe mal im Selbstversuch einen Testmonat mit 100 Euro gemacht, und gleichzeitig die Ernährungsphysiologie mit den Werkzeugen auf http://www.nutritiondata.com überwacht, also wirklich alles abgewogen und analysiert, einen ganzen Monat lang.

    Vegane Küche kann ja soooo billig sein, man muss nur wollen! Ich verstehe gar nicht wie Leute darauf kommen das sei teuer? Gibts da Trüffel zum Frühstück oder so?

    Ava Odoemena

    9. Februar 2010 at 17:37


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