…in meiner Wärmflasche schlafen Sterne

Hallo :D

Familiengeschichte

with one comment

Hallo Welt,

das Internet hat mich wieder, nachdem ich einige Tage mit Henrik im Gepäck bei meinen Eltern verweilte. Es klingt seltsam, aber es war bei Weitem nicht so anstrengend, wie ich gedacht hätte. Nein, ganz im Gegenteil. Dennoch bin ich letztendlich froh nun wieder in Kassel zu sein. Diese vielen Eindrücke waren wirklich viel. Sowas lässt sich nicht so leicht verarbeiten. – Die letzten Jahre an Heiligabend waren wir bei Henriks Familie und so war es wirklich ungewöhnlich für uns. Ich glaube meine Familie hat all‘ die Jahre ohne mich gar kein Weihnachten mehr gefeiert. Sehr schade, aber ich glaube wirklich, sie haben die Bescherung genoßen. Ja, selbst mein Bruder. Ich lerne ihn, seit dem ich ausgezogen bin, von ganz anderen Seiten kennen, im positiven Sinne. Zu Beginn waren alle noch ganz steif und verlegen, aber der Abend wurde später und alle tauten ein kleines bisschen auf, was schon eine ganze Menge ist im Betracht auf die Vergangenheit. – Doch es reichte nicht für einen Weihnachtsbaum, den ich allerdings so gerne mal wieder gehabt hätte. Also besorgte ich einen Ersatz, den man auf dem Foto rechts bestaunen kann. Meine Familie erklärte mich für verrückt… wie oft wollen die das eigentlich noch machen?! :)

Im Großen und Ganzen waren diese vier Tage wirklich schön. Schwierig, aber schön. – Mein Papa hat sich sehr gefreut, dass ich da war. Er ist nicht so gut darin Gefühle offen zu zeigen, aber ich kenne ihn lange genug um zu wissen, wann er sich ehrlich freut. Mir kommen die Tränen in die Äuglein, wenn ich daran denke, wie schön es ist meinen Papa glücklich zu sehen. Auch wenn es stets nur kurze Momente sind, wie mir scheint. – Meine Mama hat die Gelegenheit genutzt um mit mir in vergangenen Erinnerungen zu schwelgen. Wir haben alte Babykleider angeschaut, alte Erinnerungsstücke, wie auch ein uraltes Glätteisen, was sie mir überlassen hat. Ja, generell drückt meine Mama viel über Gaben aus. Sie ist sehr selbstlos, das war sie schon immer. Ich glaube, als wir heute nach Hause fuhren, dachten die Nachbarn Jemand würde gerade umziehen. Ja, so viel war es. Zu Weihnachten bekam ich meine lang-ersehnte Nähmaschine von Singer. Ich freue mich wie eine Schneekönigin über meine “Schneemaschine“. Auch glaube ich, dass meine Mama es mit Freude und Stolz erfüllt, wenn sie mir das Nähen auf meiner neuen Schneemaschine beibringen kann. Ich freue mich. Ich freue mich!

Die nächste Gabe und gleichzeitig Erinnerungsstück, war eine ale Basken-Mütze, die mein tschechischer Opa aus Frankreich mitbrachte und meiner Mutter schenkte, vor vielen vielen Jahren. Eine gelungene Überleitung. Ich kenne meine Großeltern kaum und war zuletzt vor einigen Jahren dort. Schon als kleines Mädchen wollte ich nur ungern zu ihnen. Nicht wegen meinem Opa. Sondern eher wegen meiner Oma und der restlichen Verwandtschaft, die ich zum Glück schon früh genug “entlarvte“. Ich gehöre irgendwie nicht zu ihnen. Meine Mama Bestand dieses Weihnachten aber darauf, dass wir alle gemeinsam rüber fahren, da es das letzte Mal sein konnte, dass ich meine Großeltern lebendig zu Gesicht bekomme. – Ich muss gestehen, dass mir dieser Schritt überhaupt nicht leicht viel. Nicht nur wegen meiner sozialen Phobie, sondern auch wegen dieser großen Antipathie. Letztendlich bin ich aber froh über diese Entscheidung. Mein Opa hat sich sehr gefreut. Er ist ein guter Mensch, einer der wenigen Guten. Er opfert sich auf, obwohl er selbst fast am Ende ist. Ja, er sieht gar nicht gut aus, man sieht die Krankheit. Opa war so überwältigt mich wieder zu sehen, dass er anfing zu weinen. Ich war so überfordert diesen alten Herrn, den ich ja kaum kenne, wegen mir weinen zu sehen. Ich sah so viel Verzweiflung in seinen Augen und den Blick auf mich, der ihm Hoffnung gab, als ob ich ein Lichtblick im Tunnel wäre. Mich hat es so gerührt, dass ich hinterher zurück im Auto auch einige Tränen drückte. Beim Abschied weinte er wieder. – Tut mir Leid, dass du so ein Leben führen musstest, Opa. Ich wusste lange Jahre nichts davon. Tut mir Leid, dass viele dich nie zu schätzen gewusst haben. Ich hab‘ dich lieb, weil du ein so gutherziger Mensch bist. Pass‘ auf dich auf.

„Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen.” Albert Schweitzer

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Written by Erbse

28. Dezember 2009 um 00:27

Veröffentlicht in Ohne Kategorie, Soziale Phobie

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Eine Antwort

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  1. Mich hat dieser Eintrag sehr berührt, keine Ahnung warum aber ich habe mich da irgendwie total rein gelesen und drin verloren, du schreibst echt super toll …. ! Dicken Knuddler, deine Ann~

    Anika

    14. Januar 2010 at 17:54


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