Abgelegt unter: Ohne Kategorie | Schlagwörter: Angst, Angststörung, Depression, Henrik, Medikamente, Soziale Phobie, Traum
darf ich mal jammern? – Mir gehts seit ein paar Tagen körperlich wirklich furchtbar. Ich habe eine Blasenentzündung, Nierenschmerzen und Nebenwirkungen durch das Anti-Biotikum. Als ob es nicht schon anstrengend genug gewesen wäre, mich aufzuraffen um mich überhaupt zu einem Allgemeinmedziner zu trauen. Mir gingen wieder alle möglichen und auch unmöglichen Gedanken durch den Kopf. Werden die Leute nett sein, wird das Wartezimmer voll sein, was wird wohl mit mir gemacht?! Und vor Allem: Könnte ich mich irgendwo blamieren oder blamiert werden? – Das einzige Furchterregene war dann letztlich, dass ich auf Grund der Architektur der Räume mit meinem offenen “Pipi-Becher” samt Inhalt durch das Wartezimmer laufen musste. Es war unendlich peinlich, dabei ist Urin doch so natürlich. Ich hab’s überlebt, wie man sieht. Und im Nachhinein war ich ziemlich stolz. – Schmerzen und Schwindel hab’ ich jetzt trotzdem.
Gestern war Henrik auch noch den ganzen Tag bis abends um halb acht beruflich in Frankfurt unterwegs. Ich träumte, dass er einen Autounfall haben würde, verdrängte diesen Gedanken am Tag dann aber relativ gut. Idiotische Verlustangst. Mir gings gestern ziemlich elendig und lag deswegen wirklich nur rum. Henrik rief irgendwann an, um zu sagen, er sei’ ungefähr um achtzehn Uhr wieder zu Hause. Habe mich dann gezwungen bis neunzehn Uhr zu warten und erst dann anzurufen, um zu fragen wann er denn da sein wird und wo er denn bleibt. Er ging nicht ans Telefon. Und plötzlich fühlte sich die Stimme der Telefonansage wie ein gut platzierter Kopfschuss an. Ich schwankte, weinte… und malte mir das Schlimmste aus. Ich lebte die Trauer so, als ob es sicher sei, dass er tot ist. Ich erdachte mir einen Telefonanruf von der Polizei, die mir mitteilen, was geschehen war… und ich erdachte mir meine Reaktion darauf. Ich lebte Henriks Tod. Unter Tränen rief ich immer wieder an, aber er ging einfach nicht ran. Nach etwa zwanzig Minuten reinste Hölle, ging er ans Telefon. Ich sackte zusammen und war so erleichtert wie nie. Um halb acht war er letztlich zu Hause, ich schloss ihn in meine Arme und war nie glücklicher gewesen. [...] Lieber würde ich sterben und ihn lebend sehen, denn so frisst mich die Trauer & die Angst nicht auf.
J. fährt im Wahnsinn nach Paris. Er wird das vermutlich niemals lesen, aber ich wünsche ihm das Beste und etwas Neues, was gut ist.
(Blog-Eintrag fällt heute etwas wirr und undetailiert aus, muss mich wieder hinlegen. Alles dreht sich.)„Die Welt ist ein gedeckter Tisch, von dem man nicht zu früh aufstehen sollte.” – Carl-Heinz Schroth
Abgelegt unter: Ohne Kategorie | Schlagwörter: Björk, Depression, Gefühle, Musik, PJ Harvey
Selam Welt,
betrachte diesen Eintrag als Hommage an PJ Harvey. Als ich sie damals in frühster Jugend das erste Mal hörte, berührte es mich so sehr, dass es fast schon zur Routine wurde in äußerstem Hass, bei Wut und bitterlicher Traurigkeit… ja, bei nicht enden wollender Einsamkeit, ihrer Stimme und vor Allem ihren Worten zu lauschen. Diese Zeit ist lange vorbei. Ich habe mich von Polly verabschiedet. Wir fanden beide, ich solle erwachsen werden. Wir fanden beide, dass ich mit ihren Liedern zu viel Negatives verbinde. Beidseitiges Verständnis und dann Begräbnis. Manchmal ist es besser sich zu trennen, bevor die Zerstörung wütet, …nicht mehr zu reparieren. Aber bekanntlich sieht man sich immer zweimal im Leben. [...] Durch Zufall stieß ich heute morgen auf das Live-Duett Björk und Polly mit dem Coversong ”Satisfaction”. Ich hätte wissen müssen, dass ich über Björk schnell auf Polly stoßen würde. Ich war so naiv, aber früher oder später hätte es sowieso passieren müssen. Sofort starrte ihre Stimme mich an. Sie glitt durch meinen Ausschnitt, weiter zum Herzen und somit in meinen Körper. Ihre Worte brachten mein Gehirn zum beben. Ich war fast wie paralysiert und labte mich sofort und völlig automatisch an ihr, ihrer Kreativität, ihrer grenzenlosen Melancholie. Sie ist für mich ein Symbol, der Inbegriff der Elegie. Ich konnte nicht widerstehen. Wie besessen kramte ich in alten Kartons, in den untersten Welten der Schränke, in Schubladen, überall. Aber sie war nigends. Ihre klagende Stimme war in diesem Hause längst versiecht. Ich hatte sie komplett verbannt. Und nun fühlte ich mich wie ein Junkie der auf ”Turkey” ist, halb am durchdrehen und alles für eine Dosis Polly machend. Ich war bereit. Nimm’ mich! Egal was… aber geb’ mir Polly Jean Harvey!
Hyperventilierend, versuchend mein Bewusstsein wiedererlangend: “Lord praise the internet!” – Euphorie! Polly war wieder da. Ich suhlte mich in ihr. Ich suhle mich noch immer in ihr. Und ich möchte diese verdammte Beziehung nie wieder beenden.
Dear darkness Dear darkness Won’t you cover, cover Me again? Dear darkness Dear I’ve been your friend For many years


